Zahnarzt: Befund richtig verstehen

Häufiger Befund beim Zahnarzt: Karies

Karies ist trotz der beeindruckenden Erfolge von Prophylaxemaßnahmen bei Kindern und Jugendlichen nach wie vor ein wichtiges Gesundheitsproblem. Und so kommt es zum Befund „Karies“ beim Zahnarzt: Kohlenhydrate (vor allem Zucker) werden durch Bakterien (hauptsächlich Streptococcus mutans) zu Säuren vergoren, welche alle Teile des Zahnes angreifen können. Während diese Säuren besonders den harten Zahnschmelz auflösen, greifen die Bakterien die organischen (lebenden) Bestandteile des Zahnes an. Körpereigene Reparaturmaßnahmen gegen Karies gibt es im Gegensatz zu sonstigen Körperwunden nicht. Lediglich im Anfangsstadium ist eine Ausheilung durch Remineralisation (Wiedereinlagerung von Mineralien aus dem Speichel in den Zahnschmelz) möglich. Später hilft nur noch eine Zahnfüllung oder Krone.

Und auch das ist ein häufiger Befunde beim Zahnarzt: Parodontitis

Fast jeder Mensch leidet gelegentlich unter Gingivitis – einer Entzündung des Zahnfleisches. Und auch die Paradontitis (Entzündung und Abbau von Zahnfleisch und Kieferknochen, der bis zum Zahnverlust führen kann) kommt sehr häufig vor. Nach dem 35. Lebensjahr gehen durch Paradontitis mehr Zähne verloren als durch Karies.

Zunächst bilden sich an Zähnen und Zahnfleischrändern Beläge, auf denen sich Bakterien tummeln. Deren Stoffwechselprodukte irritieren das Zahnfleisch, das sich daraufhin entzündet. Werden die Beläge nicht gründlich entfernt, können sich Zahnstein und Zahnfleischtaschen bilden. In der Folge zieht sich das Zahnfleisch zurück. Dadurch sieht es so aus, als würden die Zähne länger. Die körpereigenen Abwehrzellen, die die Bakterien vernichten sollen, bauen auch den Knochen und die Haltefasern ab. Dadurch verliert der Zahn an Halt und fällt im Extremfall aus.

Raucher haben ein erheblich höheres Risiko, an Paradontitis zu erkranken. Außerdem spielt der Hormonhaushalt eine Rolle. Jugendliche in der Pubertät und Schwangere sind deshalb besonders betroffen.


Achtung! Wenn das Zahnfleisch blutet, nicht mit dem Putzen aufhören! Es ist im Gegenteil dann eine besonders sorgfältige Mundhygiene nötig, damit sich keine Bakterien in der Entzündung einnisten. Sie sollten sobald wie möglich Ihren Zahnarzt aufsuchen.


Probleme mit den Weisheitszähnen

Weisheit bringen die vier Zähne an den äußersten Enden unseres Kiefers nur selten – dafür um so öfter viel Verdruss. Sie brechen gar nicht oder nur teilweise durch oder stellen sich quer. In der Folge können sie Schmerzen verursachen oder andere Zähne beschädigen. Dann heißt hier die Methode der Wahl: Entfernen. Das geschieht meist durch einen kleinen chirurgischen Eingriff, weil ein schlichtes „Ziehen“ bei verlagerten Zähnen nicht funktioniert. Der Eingriff ist ein zahnärztlicher Routineeingriff. Zahnärzte, die kein hinreichenden chirurgischen Kenntnisse besitzen, werden Patienten an Oral- oder Kieferchirurgen überweisen.

TIPP: Steht Ihnen ein solcher Eingriff bevor, dann nehmen Sie sich für den Rest des Tages lieber nichts mehr vor. Auch, wenn keine starken Schmerzen auftreten, ist doch das Entfernen eines Weisheitszahns keine Bagatelle, da kann man etwas Schonung hinterher gebrauchen.

Sonstiger Befund beim Zahnarzt: Apthen

Kleine runde, offene Stellen auf der Mundschleimhaut, die stecknagelkopfgroß sein können oder die Größe eines kleinen Fingernagels erreichen. Sie sind zwar harmlos und heilen ohne Narbenbildung ab, können aber höllisch wehtun. Normalerweise sind sie nach sechs bis acht Tagen von selbst verschwunden, Myrrhetinktur oder Salbeilösungen wirken unterstützend. Befallen die Aphten größere Flächen, spricht man von einer Stomatitis aphtosa. Dann kann es zu Fieber und Mundgeruch und einem Anschwellen der Halslymphknoten kommen. Spätestens dann sollte man den Zahnarzt aufsuchen, der zwar nicht die Ursachen bekämpfen kann, aber Medikamente zur Linderung der Beschwerden verschreibt. Aphten kehren meist wieder, sind auch gelegentlich Folgen einer zahnärztlichen Behandlung, weil die mechanische Belastung der Mundschleimhäute unter der Behandlung die Aphtenbildung begünstigt.

Veränderte Mundschleimhaut

Im gesunden Mund tummelt sich eine Vielzahl von Bakterien, Viren und Pilzen, die die sogenannte Mundflora bilden. Sie sind allgemein ungefährlich, solange sie sich im Gleichgewicht befinden. Wenn aber Krankheiten oder Antibiotika die Vermehrung bestimmter Mikroorganismen fördern, kann es ernsthafte Probleme geben. Insbesondere eine Behandlung mit antibiotischen Medikamenten ist oft Ursache einer Keimverschiebung zugunsten von Pilzen. Diese können von Antibiotika nicht angegriffen werden, sich aber besonders gut ausbreiten, weil ihre Platzkonkurrenz, die Bakterien, reduziert sind.

Eine häufige Pilzerkrankung bei Kindern und älteren Menschen ist Soor, ein weißlicher Belag auf der Mundschleimhaut. Bei alten Menschen ist oft eine schlecht sitzende Prothese die Ursache. Man bekämpft Soor durch ein Anti-Pilz-Mittel (Antimykotikum). Wenn Sie auffallende Veränderungen an ihrer Mundschleimhaut feststellen, sollten Sie auf jeden Fall den Zahnarzt um Rat fragen.

Unangenehmer Befund beim Zahnarzt: Mundgeruch

Auch, wenn er in erster Linie „bloß“ unangenehm ist und das auch noch hauptsächlich für andere, sollte man Mundgeruch in jedem Fall ernst nehmen. Er ist ein Hinweis darauf, dass etwas im Mund nicht stimmt. Eine gesunde Mundflora und ein intaktes Gebiss riechen nicht. Das manchmal der Atem eines Menschen stark riecht, weil er viel Knoblauch gegessen oder Alkohol getrunken hat, ist eine ganz andere Sache.

Wann immer sich organisches Material zersetzt, entsteht ein strenger Geruch. Das können Speisereste in Zahnzwischenräumen oder am Zahnersatz (Brücke) sein. Aber auch Entzündungsherde, zum Beispiel in Zahnfleischtaschen, können Mundgeruch verursachen. Wenn Sie an sich selbst stärkeren Mundgeruch bemerken oder darauf hingewiesen werden, sollten Sie ihre Mundhygiene überdenken und zum Zahnarzt gehen. Keinesfalls reicht es, nur ein Mundspray oder Pfefferminzbonbons zu kaufen, denn sie können den Mundgeruch nur kurzzeitig übertünchen ohne die Ursachen zu beseitigen.

Inzwischen sind manche Zahnärzte darauf spezialisiert, Mundgeruch zu behandeln. Sie können über ein spezielles Gerät ( Halimeter ) Mundgeruch messen und dann gezielt behandeln. Achten Sie darauf, ob Ihr Zahnarzt diese Leistung anbietet.  Wenn er entsprechend ausgerüstet ist, wird er das angemessen kundtun.

Probleme verarbeiten beim Zähneknirschen

Es ist sprichwörtlich, dass wir bestimmte Dinge nur „zähneknirschend“ tun – wir fühlen uns nicht wohl mit dem, was uns abverlangt wird oder lassen uns nur ungern auf einen Kompromiss ein. Für viele Menschen ist das Zähneknirschen aber im wahrsten Sinne des Wortes ein ernstes Problem. Sie wachen morgens mit schmerzenden Kiefergelenken auf, weil sie die ganze Nacht die Zähne aufeinander gepresst und gerieben haben. Zahnmediziner sprechen von „Bruxismus“. Die Ursachen liegen meistens in Stress und psychischer Belastung. Im Extremfall können sich die Zähne abreiben und lockern, Zahnersatz kann Schaden nehmen. Daneben können auch Muskelverspannungen im Hals- und Nackenbereich sowie Kopfschmerzen auftreten.

Natürlich sollte man in erster Linie daran arbeiten, den Stress abzubauen und die Probleme zu lösen. Hilfreich sind auch Entspannungsübungen vor dem Einschlafen, die einen den Alltagstrott vergessen lassen. Um die Zähne zu schonen, kann der Zahnarzt eine „Knirscherschiene“ verordnen, die an den Zahnschutz eines Boxers erinnert und die Zähne – nicht aber das Kiefergelenk – effektiv schützt.

Wichtig: Es muss unbedingt abgeklärt werden, welchen Anteil am Zähneknirschen von einer nicht passenden Okklusion, dem Schlussbiss von Ober- und Unterkiefer, ausgeht.

Empfindliche Zahnhälse

„Heißes oder Kaltes trifft Sie wie ein Blitz“ – diese Beschreibung aus einer Zahnpastareklame kennzeichnet das Problem, das immerhin jeder siebte erwachsene Zahnarztpatient hat, recht gut. Zahnhälse haben keinen schützenden Zahnschmelzmantel und reagieren manchmal extrem empfindlich auf Heißes oder Kaltes oder chemische Reize. Das tut dann wirklich furchtbar weh, die Betroffenen können ein Lied davon singen. Die Ursache kann falsches, zu heftiges Zähneputzen sein. Aber auch hier kann funktionelle  Überlastung oft der tiefere Grund für die Beschwerden sein. Insbesondere, wenn diese Beschwerden nach Zahnbehandlungen auftauchen und sich stetig verschlimmern, kann angenommen werden, dass die Ursache in Partafunktionen liegt, die als Pressen oder Reiben im Leerkontakt auftreten.

Besprechen Sie das Problem zunächst sehr ernsthaft mit Ihrem Zahnarzt. Er sollte daraufhin eine klinische Funktionsprüfung durchführen.. Eine Veränderung ihrer Putzgewohnheiten oder die Verwendung spezieller Zahnpasten und –gele, können die Beschwerden lindern.

Weiterer Befund beim Zahnarzt: Zahnstein

Zahnstein ist, wie der Name schon sagt, quasi eine Versteinerung im Mund. Zahnbelag, der über längere Zeit am Zahn haftet, nimmt Mineralien aus dem Speichel auf und wird hart. Er tritt besonders da auf, wo viel Speichel gebildet wird, nämlich an der Außenseite der oberen Mahlzähne und an der Innenseite der unteren Schneidezähne.

Zahnbürsten können gegen den Zahnstein nichts mehr ausrichten, da muss der Zahnarzt mit einem Schaber oder Ultraschall ran. Da Zahnstein immer von schädlichen Bakterien besiedelt ist, gehört er regelmäßig gründlich entfernt. Wichtig ist dabei die anschließende gründliche Politur. Wenn nach einer Zahnsteinentfernung eine rauhe Oberfläche übrigbleibt, wird sofort wieder Belag daran haften und eine neue rasante Zahnsteinbildung einleiten.

 

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