Wintermelancholie

Wieso neigt man im Winter zur Melancholie?

Im Winter sinkt oft nicht nur die Temperatur, sondern auch die Stimmung auf den Gefrierpunkt. Wenn es draußen nass, kalt und ungemütlich ist, der Himmel grau verhangen ist und die Wolkendecke bis auf den Asphalt zu reichen scheint, wird auch die eigene Stimmung immer trüber. Man ist lustlos, niedergeschlagen und außerdem ständig müde – und das, obwohl man eigentlich mehr schläft als sonst.

Wer leidet unter Wintermelancholie?

Winterblues erwischt jeden fünften bis zehnten Menschen in Deutschland. Dabei reicht die Spannweite von leichter Gemütsverstimmung und Gereiztheit bis hin zur handfesten Depression. Die häufigsten Anzeichen sind:

  • Sie fühlen sich antriebslos und niedergeschlagen.
  • Ständige Müdigkeit, obwohl Sie mehr schlafen als sonst.
  • Sie entwickeln einen Heißhunger auf Süßigkeiten und kohlenhydratreiche Nahrung, nehmen eventuell auch an Gewicht zu.
  • Die Symptome treten stets im Herbst und Winter auf.

Zur Ruhe kommen im Winter ist völlig normal

Ein Anflug von Wintermelancholie allein ist noch kein Grund zur Sorge. Im Gegenteil: Der Winter ist von Natur aus eine Zeit der Ruhe und Regeneration. Nicht umsonst halten viele Tiere einen regelrechten Winterschlaf. Die Antriebslosigkeit und Müdigkeit im Winter sollte also ruhig auch von uns Menschen als Zeichen verstanden werden, etwas kürzer zu treten und sich mehr Ruhe zu gönnen.

Wer aber unter dem winterlichen Stimmungstief leidet oder gar von schweren Depressionen geplagt wird, kann durchaus etwas dagegen tun: Es gibt eine ganze Reihe von einfachen Mitteln, um im wahrsten Sinne des Wortes wieder Licht in die trüben Wintertage zu bringen.

Woher kommt die Wintermelancholie?

Schuld an der gedrückten Stimmung im Winter ist in erster Linie der Mangel an Tageslicht. Denn helles Licht hat einen starken Einfluss auf die Konzentration von Hormonen und chemischen Botenstoffen im Gehirn (den sogenannten Neurotransmittern) und damit auch auf unser Gefühlsleben. So regt Tageslicht beispielsweise die körpereigene Produktion des Botenstoffs Serotonin an, der Glücksgefühle auslöst und die Lebensgeister weckt.

Wenn wir allerdings schon morgens das Haus im Dunkeln verlassen, den ohnehin viel zu kurzen Tag bei neblig-trübem Dämmerlicht verbringen und abends erst nach Sonnenuntergang wieder heimkehren, dann sinkt der Serotoninspiegel und damit auch die Stimmung – die Wintermelancholie stellt sich ein.

Hier liegt auch der Grund für den im Winter typischen Heißhunger auf Süßigkeiten: Da Schokolade und Co eine verstärkte Ausschüttung von Serotonin bewirken können, versucht der Körper, den vorherrschenden Mangel auf diese Weise auszugleichen.

Auch Hormone lassen sich durch das Licht beeinflussen: So schüttet der Körper bei nicht ausreichender Helligkeit beispielsweise größere Mengen des „Schlafhormons“ Melatonin aus, das auf die Stimmung drückt und müde macht. Frauen reagieren offenbar empfindlicher auf die Schwankungen im Hormonhaushalt als Männer: Etwa 80 Prozent der Betroffenen sind weiblichen Geschlechts.

Innere Uhr aus dem Gleichgewicht

Neben den Auswirkungen auf den Neurotransmitter- und Hormonhaushalt spielt das Tageslicht aber auch eine wichtige Rolle für unsere „innere Uhr“. Von der Natur aus steigen und sinken die Vitalfunktionen des Körpers wie beispielsweise Atmung, Körpertemperatur oder Blutdruck in einem 25-Stunden-Takt.

Da ein Tag jedoch nur 24 Stunden lang ist, muss die „innere Uhr“ täglich neu eingestellt werden. Diese Aufgabe übernimmt das Tageslicht: Über einen „Lichtempfänger“ im Körper zeigt es der inneren Uhr den Wechsel zwischen Tag und Nacht an. Bekommt der Körper nicht ausreichend Licht, so kann die innere Uhr nicht mehr richtig nachgestellt werden und es kommt zu Verschiebungen im Tagesrhythmus – die Folgen sind häufig Müdigkeit, Antriebslosigkeit und Erschöpfung, weil der eigene Rhythmus nicht mehr mit dem Tagesablauf zusammenpasst.

 

Autor
Dr. med. Ulrike Stebner

 

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