Hände übereinander

Stiftungs-Räte der Stiftung Gesundheit stellen sich vor: Hubert Hüppe im Interview

Der Stiftungs-Rat ist das beratende Gremium der Stiftung Gesundheit. Die mittlerweile 13 Mitglieder des Stiftungs-Rats sind Persönlichkeiten aus den unterschiedlichen Segmenten des Gesundheitswesens.
Mit ihren besonderen Kenntnissen und Erfahrungen unterstützen sie die Stiftung im Ehrenamt außerhalb des Tagesgeschäfts. In unserem Blog stellen wir Ihnen unsere Stiftungs-Räte vor. Dieses Mal kommt mit Hubert Hüppe ein Experte zu Wort, dem das Thema Barrierefreiheit besonders am Herzen liegt.

 

Foto Hubert Hüppe
Der Bundestagsabgeordnete a.D. Hubert Hüppe unterstützt den Stiftungs-Rat der Stiftung Gesundheit mit seiner Expertise.
Bildnachweis: DBT/ Stella von Saldern

Zur Person:

Hubert Wilhelm Hüppe wurde am 3. November 1956 in Lünen, Westfalen, geboren. Er ist seit 1985 verheiratet und hat drei Kinder.

Wesentliche berufliche Stationen:

  • Mittlere Reife, Ausbildung bei der Stadtverwaltung Lünen
  • Dilomverwaltungswirt
  • Mitarbeiter beim Sozial- und Jugendamt der Stadt Lünen
  • Seit 1974 Mitglied der CDU
  • 1991 erste Wahl in den Deutschen Bundestag
  • 1991-2009 und 2009-2013 Bundestagsabgeordneter
  • 1998-2005 stellvertretender Vorsitzender der Enquête-Kommission „Ethik und Recht der modernen Medizin“
  • 2008 Auszeichnung mit dem Bundesverdienstkreuz am Bande
  • 2010-2014 Behindertenbeauftragter der Bundesregierung

 

Herr Hüppe, welche Aufgaben führen Sie derzeit aus?

Ich habe mehrere Ehrenämter, die vor allem das Thema Inklusion betreffen. Ich bin beispielsweise als Vize-Präsident bei den Special Olympics tätig, als Vorstandsmitglied der Bundesvereinigung Lebenshilfe e.V. und auch als stellvertretender Vorsitzender der „Christdemokraten für das Leben“, die sich speziell für den Schutz menschlichen Lebens einsetzen.

Was hat Sie dazu bewegt, sich bei der Stiftung Gesundheit zu engagieren?

Besonders liegt mir das Thema Inklusion am Herzen. Die Stiftung Gesundheit kümmert sich aktiv mit verschiedenen Einzelprojekten um den barrierefreien Zugang zur ärztlichen Versorgung, wie beispielsweise mit dem Projekt „Barrierefreie Praxis“. Das möchte ich gerne mit meiner Erfahrung und meinem Netzwerk unterstützen.

Eine gute Gesundheitsversorgung ist noch allein keine Garantie für Inklusion, aber ohne eine gute Gesundheitsversorgung ist gesellschaftliche Teilhabe für Menschen mit Behinderungen nicht möglich. Wer beispielsweise inkontinent ist, aber keine hochwertigen Windeln und andere Hilfsmittel bekommt, hat im ersten Arbeitsmarkt keine Chance. Gerade wenn Menschen mit Behinderungen nicht mehr in Einrichtungen leben, brauchen sie einen wohnortnahen und barrierefreien Zugang zu Ärzten und anderen Bereichen des Gesundheitssystems. Hinzu kommt, dass darauf auch immer mehr alte Menschen angewiesen sind.

Welchen Aspekt des Gesundheitswesens in Deutschland finden Sie besonders begrüßenswert?

Insgesamt haben wir eines der besten Gesundheitssysteme der Welt. Und trotz aller Kritik, wie beispielsweise am Fachkräftemangel, noch eine sehr gute Versorgung. Zudem wird vermehrt darauf geachtet, dass gesundheitliche Leistungen auch zum Erfolg führen, sprich: die Effektivität von Gesundheitsleistungen und Nutzen für Patienten wird im Blick behalten.

Besonders erfreulich finde ich zudem, dass die Palliativmedizin einen höheren Stellenwert erreicht hat. Dafür habe ich mich 2015 mit dem neuen Entwurf zum Hospiz- und Palliativgesetz eingesetzt. Denn es ist wichtig, dass die Menschen in der schwächsten Phase ihres Lebens die Hilfe bekommen, die sie brauchen.

Und was müsste sich aus Ihrer Sicht unbedingt ändern?

Ganz klar: Bürokratieabbau. Ich glaube, zu Beginn meiner politischen Zeit war das Sozialgesetzbuch 5 nur halb so dick wie heute. In der Tat haben alle Beteiligten des Gesundheitssystems mit viel zu viel Bürokratie zu kämpfen: Krankenhäuser und Ärzte müssten mehr Zeit haben, ergebnisorientiert statt ablauforientiert zu arbeiten. Das gilt vielleicht noch mehr für die Pflege.

Und vor allem ältere Patienten klagen darüber, dass sie nicht durch den Dschungel an Vorschriften durchsteigen – beispielsweise bei Anträgen, die sie bei ihrer Krankenversicherung stellen müssen, um bestimmte Leistungen zu erhalten. Recht zu haben ist die eine Sache, Recht zu bekommen die andere. Sowohl die ältere Bevölkerung als auch beispielsweise Demenzkranke brauchen hier mehr Unterstützung, eine Assistenz, im besten Fall einfachere Regelungen.

Auch beim Thema Ausbildung von Ärzten und medizinischen Personal muss sich künftig etwas ändern: Wir brauchen beispielsweise dringend mehr Pflegekräfte, und auch die Nachfrage nach Ärzten ist unverändert hoch. Entsprechend müssen die Anreize stimmen, diesen Beruf auszuüben, und natürlich ebenfalls das Einkommen. Meiner Meinung nach darf ein Numerus clausus nicht allein entscheidend sein, ob jemand Arzt werden kann.

Haben Sie ein Lebensmotto?

Ein privates Lebensmotto habe ich nicht. Wenn es allerdings um Teilhabe von Menschen mit Behinderungen geht, gilt: „Wer Inklusion will, sucht Wege, wer sie nicht will, sucht Begründungen.“