Schlaf: Wie schläft mein Kind alleine ein?

Die Vermutung liegt nahe, es gelte lediglich,  den Nachwuchs irgendwie und sei es mit trickreichen Manövern, zum Schlafen zu bewegen. Dann aber wird die Nachtruhe nicht lange währen. Säuglinge wachen mehrmals pro Nacht auf. Diese Wachphasen sind normaler Bestandteil ihres natürlichen Schlafzyklus. Wer es nicht gelernt hat, alleine im Bett einzuschlafen, wird es schwer haben. Wie schaffe ich es, dass mein Kind allein in den Schlaf kommt?

Das Kind ins Bett bringen – ohne Tricks bitte

Ist Sohnemann oder Töchterlein im Bett der Eltern eingeschlafen und entschwebte dann schlafend ins eigene Bett, ist der Schrecken nicht weit: in der ersten Wachphase erkennt das Kind, dass es nicht dort ist, wo es einschlief.

Legen sich Mutter oder Vater mit ihm ins Bett bis es eingeschlafen ist, wird es sich natürlich beim regulären Aufwachen in der Nacht furchtbar alleingelassen fühlen und sofort lautstarke Entrüstung äußern und nach der gewohnten Gesellschaft verlangen.

Hat ein Kind gelernt, dass es in den Schlaf gewogen wird, verlangt es selbstverständlich die gleiche Behandlung in der Nacht, wenn es wach ist und wieder einschlafen soll.

Wiegen die Eltern ihr Kind auf dem Arm in den Schlaf und legen es dann schlafend ins Bettchen, muss der Nachwuchs sich zwangsläufig in der ersten nächtlichen Wachphase erschrecken: Es wird sich nicht nur im Stich gelassen fühlen, sondern zunächst gar nicht genau wissen, wo es sich befindet.

Von Anfang an: Allein im Bett einschlafen

Es ist also elementar wichtig, dass Kinder von Anfang an lernen, allein in ihrem eigenen Bett einzuschlafen. Nur wenn sie ihr eigenes Bett als angenehmen, normalen Ort des Einschlafens kennengelernt haben, werden sie nach den Wachphasen in der Nacht auch genau in diesem Bettchen allein und ohne Protest wieder einschlafen, anstatt sich jede Nacht aufs neue alleingelassen zu fühlen.

Falls ein Kind aus irgendeinem Grunde einmal woanders als im eigenen Bettchen einschläft, ist es daher ratsam, so merkwürdig es klingen mag, vor dem Transport ins eigene Bett dafür zu sorgen, dass das Kind wenigstens halbwach wird und merkt, was passiert. So bleibt dem Kleinen der Schreck in der Nacht erspart.

Schlaf und Kind: Einschlafroutine

Babys Schlafzeiten orientieren sich natürlich an seinen Mahlzeiten, da auch ein Baby nach dem Essen müde wird. Da greift der Mechanismus, den auch jeder Erwachsene kennt: Der Körper widmet sich der umfangreichen Aufgabe der Verdauung. Dazu schickt er mehr Blut zum Magen-Darm-Trakt, zu Lasten der Durchblutung des Gehirns. Ein wenig weniger Sauerstoff im Gehirn bedeutet: Der Mensch wird müde.

Aufregenden Spiele, Toben, intensive körperliche Aktivität sollten wenigstens eine Stunde vor der Schlafenszeit abgeschlossen sein: Vor allem wenn die Kinder etwas älter werden, kommt beim Toben viel Adrenalin in Bewegung. Dann ist ein Ende naturgemäß nur schwer zu finden. Es liegt auf der Hand, dass es unfair wäre, ein Kind zu Bett zu schicken, wenn es durch Adrenalin aufgedreht ist wie nach zehn Tassen Kaffee.

Deshalb gilt es für den Partner, der später von der Arbeit nach Hause kommt, nicht mehr so lange mit dem Kind herumtoben. Günstiger ist es, sich auf ruhiges, bedächtiges Schmusen oder das Vorlesen zu beschränken. Liebe und Gemeinsamkeit zwischen Eltern und ihren Kindern hängt schließlich nicht von der Lautstärke der gemeinsamen Aktivität ab.

Schlaf: Wann sollte das Kind ins Bett?

Der Zeitpunkt, wann Kinder ins Bett gehen sollten, hängt natürlich von vielen Faktoren ab. Wichtig ist, dass genug Zeit seit dem Erwachen vom Mittagsschlaf vergangen ist – etwa drei Stunden – und dass man nicht zu hart versucht, unmöglich lange Schlafzeiten von einem Kleinkind zu verlangen.

Neben den Bedürfnissen der Kinder spielen natürlich auch die der Eltern eine Rolle. Mutter und Vater sollen auch mit Kind sie selbst bleiben: Liebespaar, Freunde und Verwandte, Kino- oder Operngänger, Sportsleute und so weiter. Denn auch mit Kind geht das Leben weiter. Deshalb soll auch noch genug Zeit für all die anderen Dinge des Lebens bleiben, wenn der Nachwuchs schon schläft.

Der jeweils ideale Schlafrhythmus eines Kindes lässt sich nicht in einem Buch festschreiben. Hier geht nichts über das Probieren. Bei Säuglingen kann man einen Vierstundenrhythmus anstreben: wenn es klappt, wird man zunächst alle vier Stunden stillen. Mit Blick auf die Zeit des Einschlafens wird man dann versuchen, um 18.00 Uhr, um 22.00 Uhr, 02.00 Uhr und 06.00 Uhr zu stillen. Dann wird der 02.00-Uhr-Termin entfallen, später auch die Mahlzeit um 22.00 Uhr, so dass man schließlich noch um 18.00 und 06.00 Uhr stillt. Selbstverständlich kann man auch jede andere Möglichkeit ausprobieren, um seinen persönlichen Rhythmus zu finden.

Kurz vor dem Zubettgehen

Die letzte Stunde vor dem abendlichen Zubettgehen sollte ein bewusstes und allmähliches Herabschrauben des Aktivitätsniveaus sein. Sie bietet sich an für familiäre Gemeinsamkeit: ruhiges, gemeinsames Abendessen und Austausch über die Ereignisse des Tages. Auch ein Säugling spürt und genießt eine friedliche, von Kommunikation geprägte Atmosphäre und das familiäre Miteinander.

Danach können Mutter oder Vater zum Baby sprechen, entweder durch Vorzeigen eines Babybilderbuches oder dem etwas älteren Kind kann eine Geschichte vorgelesen werden – nach dem Zähneputzen, wenn die Zähnchen schon da sind. Es bietet sich an, dem Baby etwas vorzulesen, wenn es schon im Bett liegt. Fällt ihm dann aber das Einschlafen schwer, kann man im Wohnzimmer sitzend vorlesen. Damit ist das Kinderschlafzimmer wirklich nur zum Schlafen da und bietet keine Erinnerung an verlockendere Aktivitäten. Kaum notwendig zu erwähnen, dass im Wohnzimmer natürlich eine ruhige Atmosphäre herrschen sollte. Auf keinen Fall darf der Fernseher laufen, da er durch sein helles Licht, die bewegten Bilder und die Geräusche unweigerlich Babys Aufmerksamkeit fesseln würde. Jede Einschlafroutine wäre dahin.

Anschließend ist es Zeit zum Schlafen. Das Baby weiß es, weil es das abendliche Ritual kennt. Die Eltern können das noch verbal beim Gutenachtsagen unterstützen – auch Säuglinge verstehen viel mehr als man zumeist vermutet.

Schlaf und Kind: Das Baby schreien lassen?

Weint das Baby mit Sicherheit nur wegen des Wunsches nach Gesellschaft, dann schadet es auch dem kleinsten Säugling nicht, einige Minuten zu schreien. Nun muss es vielmehr lernen, dass sich Schreien beim Ins-Bett-Gehen nicht lohnt, weil keine Belohnung folgt. „Belohnung“ ist in diesem Zusammenhang jegliche Form an Aufmerksamkeit. Nicht nur Streicheleinheiten und beruhigendes Einreden oder sogar aus dem Bett aufnehmen und im Zimmer herumtragen, auch Schimpfen bedeutet hier eine Art Belohnung, da es dem Baby gelungen ist, nun nicht mehr allein zu sein.

Aller Wahrscheinlichkeit nach wird ein Baby diese Botschaft schnell verstehen und das Schreien beim Zubettgehen schnell aufgeben.

 

Autoren

Sabine und Mogens Poppe

 

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