Schlaf und Erziehung

Aufregungen, Sorgen, Ungewissheiten und Erwartungen begleiten jede Schwangerschaft – die erste natürlich ganz besonders. Kaum fassbar, welch eine Flut von Veränderungen auf das Leben von werdenden Müttern und Vätern einströmt. Natürlich stehen Fragen wie „Ist mein Kind gesund?“ oder „Wie lange wird die Geburt dauern?“ im Mittelpunkt. Kaum jemand macht sich dann schon Gedanken, ob das Baby wohl gut schlafen wird. Das ist ja auch nur zu verständlich. Wie hängen Schlaf und „Erziehung im Mutterleib“ zusammen?

Erziehung im Mutterleib: Wie beeinflusst die Schwangerschaft den Schlaf?

Das Baby taucht am Tag seiner Geburt nicht unvermittelt aus dem Nichts auf. Vielmehr war es, und das ist mit Blick auf die kommende Erziehung zum Schlafen wichtig, zuvor schon für viele Monate ein wahrnehmender Teil des Tagesablaufes der Mutter.

Das Leben in der Gebärmutter ist neben dem schwimmenden Zustand von nahezu Schwerelosigkeit und vor allem von vielen Geräuschen geprägt. Da sind zunächst das Pumpen des mütterlichen Herzens, der Fluss des mütterlichen und plazentaren Blutes, das Glucksen und Gurgeln der mütterlichen Darmtätigkeit und andere Töne des Lebens.

Hinzu kommen von außen all die hörbaren und spürbaren Frequenzen, denen heutzutage fast jeder Mensch im Straßenverkehr, im Beruf und zu Hause ausgesetzt ist, nicht allein bei lauten Festen und Rockkonzerten. Kurz, als Fötus hat man wirklich kaum seine Ruhe.

Und trotzdem schlafen und wachen die ungeborenen Babys relativ unbeirrt und folgen ihrem eigenen Rhythmus.

Werdende Eltern können ihrem zukünftigen Baby durch Harmonie und sanfte Melodien eine Freude machen – glaubt man. Weil aber das Kind an Geräusche gewöhnt ist, gibt es auch nach der Geburt keinen Grund, auf Zehenspitzen durchs Haus zu schleichen, das Telefon abzustellen, im Flüsterton zu sprechen, das Liebesleben zu dämpfen oder die Stereoanlage zu verkaufen. Im Gegenteil, Babys kennen diese Geräusche ja schon seit langem. Vermutlich wäre es daher für ein Neugeborenes eher irritierend, wenn auf einmal alles ganz still wäre.

Wer versucht, ein Kind vor Geräuschen jeder Art abzuschotten, zieht sicherlich ein geräuschempfindliches Kind heran. Und das wacht dann auch bei leichten Geräuschen bestimmt auf.

Das neue Leben schreit nach Aufmerksamkeit

Nach gut überstandener Schwangerschaft und Geburt sowie einigen hektischen Tagen im Krankenhaus kommen Sie nun mit Ihrem kleinen, scheinbar so zerbrechlichen Bündel nach Hause. Alles ist furchtbar ungewohnt und oft auch etwas beängstigend. Jetzt haben Sie auf einmal die volle Verantwortung für ein neues Menschenleben.

Na klar, Sie haben gut aufgepasst beim Säuglingspflegekurs, haben im Krankenhaus schon die Windeln gewechselt, und das Stillen klappt auch schon ganz gut. Sicher, Ihre beste Freundin hatte gerade vorletztes Jahr auch ein Baby, Ihre Eltern wohnen nur 50 Kilometer entfernt, Ihr Mann hat sich eine ganze Woche Urlaub genommen. Sie haben verabredet, sich regelmäßig mit dem netten Paar von der Schwangerschaftsgymnastik zu treffen und Erfahrungen auszutauschen.

Trotzdem werden Sie sich zunächst recht hilflos fühlen. Das geht wohl allen frisch gebackenen Eltern so. Doch trotz der vielen lieben Verwandten und Freunde, die sich die Klinke in die Hand geben und durch Aufwartungen und Geschenke ihre Liebe und Anteilnahme zeigen, fühlen Sie sich auch ziemlich allein gelassen. Eigentlich hätte einer der vielen Besucher ja auch mal abwaschen können, die jungen Eltern ins Restaurant um die Ecke einladen können oder anbieten, das Baby im Kinderwagen für zwei Stunden spazieren zu fahren, damit die rechtschaffenden Eltern etwas Schlaf aufholen können.

Da helfen keine Pläne und Programme. Die ersten Wochen nach der Geburt taugen nicht für andere Aktivitäten. Am besten widmet man sich der Herausforderung, das neue Baby kennenzulernen und zu verstehen. All die ungewohnten Geräusche und Gerüche, die unerwartet kleinen und zarten Dimensionen, dieses kleine Wunder. Es braucht schon einige Zeit, um das alles aufzunehmen und zu verarbeiten.

Wichtige Dienstreisen, Verkaufsverhandlungen, Kongresse und dergleichen sollten besser nicht in diese Zeit gelegt werden. Ehekrach und kontroverse Streitgespräche werden besser auch verschoben. Stattdessen sollte man es wirklich ruhig angehen lassen. Bei etwaigen Schwierigkeiten außerhalb der Welt des Babys sollten Sie nach Möglichkeit mit den Schultern zucken und es leicht nehmen.

Gewöhnung eines Neugeborenen: Schlaf und Nahrung in den ersten sechs Wochen nach der Geburt

Das Baby ist Umwelt samt Eltern gegenüber zu Anfang noch recht verschlossen. Während der ersten sechs Wochen beschränkt sich ein neugeborener Mensch auf einige wenige elementare Funktionen: hören, fühlen, hell und dunkel sehen, saugen, einige Reflexe, natürlich Schreien und Stoffwechsel – und schlafen: Zunächst bis zu 20 Stunden pro Tag, aber leider nicht am Stück.

Dass nun ein Baby nach seinen ersten drei Tagen auf Erden durchschläft, wird niemand erwarten. Denn ein Neugeborenes muss in erster Linie wachsen. Überproportional schnell muss das Gehirn wachsen, und ein neugeborenes Gehirn kann nur Traubenzucker (Glukose) verarbeiten. Glücklicherweise sind Babys normalerweise mit guten Reserven an Flüssigkeit und Nährstoffen ausgestattet. Ein gesundes, schweres (z. B. 3500 Gramm), am Termin durch normale Geburt entbundenes Baby, gut warmgehalten, kommt mit den wenigen Kalorien aus, die es anfangs alle drei- bis vier Stunden aus der sogenannten Vormilch (Kolostrum) bezieht. Und bald schießt dann die kalorienreiche Muttermilch in die Brüste ein.

Der Magen eines gesunden Neugeborenen ist klein. Die Mahlzeiten bleiben zwischen ein und vier Stunden darin, Muttermilch wird etwas schneller passiert. Dieser Rhythmus allerdings kann von Kind zu Kind recht unterschiedlich sein. Wenn der Nachschub an Kalorien und Nährstoffen zu lange unterbrochen wird, besteht Gefahr. Dann drohen Unterzuckerung, zu viel Kalium und Harnstoff im Blut und Verschlimmerung von Neugeborenengelbsucht (oft kann die Leber eines Säuglings nach der Geburt den roten Blutfarbstoff nicht abbauen, er reichert sich an und färbt die Haut gelb). Ein Mangel an Flüssigkeit, vor allem im Sommer, kann schnell zu Dehydratationsfieber (Temperaturanstieg durch Wasserverlust) führen.

Aber keine Sorge: Ein gesundes Baby meldet sich unüberhörbar, wenn der Magen leer ist. Mehr noch, falls ein wenige Tage altes Baby sich nicht alle drei bis sechs Stunden durch heftiges Schreien meldet, dann ist es nicht etwa besonders friedfertig, sondern wahrscheinlich krank. Dieses Kind sollte dann dringend dem Kinderarzt vorgestellt werden.

 

Autoren

Sabine und Mogens Poppe

 

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