Publizistik-Preis 2018

Publizistik-Preis 2018 – Grußwort von Theresa Authaler

Die Gäste applaudierten, als Dr. Peter Müller, Vorstandsvorsitzender der Stiftung Gesundheit, auf dem Jahresempfang die Dankesrede von Theresa Authaler verlas. Sie selbst konnte an dem Event leider nicht teilnehmen. Die Stiftung würdigt mit dem zweiten Platz ihr Radiofeature „Mit Risiken und Nebenwirkungen – Wie man als junger Mensch mit einer Krankheit lebt“, gesendet am 3. Juni 2017 im Bayerischen Rundfunk.

Hier können Sie das Grußwort von Theresa Authaler nachlesen.


Wie ist es, jung krank zu werden und sein ganzes Leben noch vor sich zu haben? Das war die Frage, die am Anfang meiner Recherche für das Radiofeature stand. Mir fiel auf, dass gerade junge Menschen oft eine riesige Angst davor haben, krank zu werden. Das hat, glaube ich, auch damit zu tun, dass wir Krankheit oft als ein Problem der Generation unserer Großeltern abtun und uns wenig damit beschäftigen. So entstehen klischeehafte Bilder: Dass man – etwas überspitzt gesagt – wenn man jung krank wird, entweder in einem dunklen Loch versinkt oder plötzlich alle Abenteuer erleben möchte, die später vielleicht nicht mehr möglich sind. Romane und Filme, die genau solche Geschichten erzählen, bestärken uns in dieser Ansicht.
Portraitfoto Theresa Authaler
Theresa Authaler wurde für ihr Radiofeature „Mit Risiken und Nebenwirkungen – Wie man als junger Mensch mit einer Krankheit lebt“ mit dem zweiten Platz des Publizistik-Preises der Stiftung Gesundheit ausgezeichnet.

Im Laufe der Recherche habe ich drei Menschen kennengelernt, die mir eine bewundernswerte Offenheit entgegengebracht haben: Carolin, die mit 17 die Diagnose MS bekam, Meike, die mit Mitte 20 einen Schlaganfall hatte, und Flo, zu der Zeit 19, der mit einem schweren Herzfehler geboren wurde. In unseren Gesprächen haben sie das klischeehafte Bild von jungen Menschen mit Krankheit größtenteils entkräftet – wobei ich an dieser Stelle erwähnen sollte, dass alle drei sich zu der Zeit nicht in einer lebensbedrohlichen Situation befanden. Sie wünschen sich trotz der Krankheit ein möglichst „normales“ Leben: Sie wollen eine Ausbildung machen, studieren, auf Konzerte gehen, reisen. Das klappt vor allem dann, wenn auch das Umfeld mitspielt. Wenn Studienkollegen Verständnis dafür haben, dass man bei einem Gruppenreferat kurzfristig ausfällt. Wenn Freunde und Bekannte nicht tuscheln, sondern einfach ehrlich fragen: „Wie geht es dir eigentlich zur Zeit?“.

Alle drei haben erlebt, dass es gut tut, offen über die Krankheit sprechen zu können, gerade weil Krankheit unter jungen Menschen nur selten Thema ist – und gleichzeitig nicht bemitleidet oder darauf reduziert zu werden. Diese Botschaft zu transportieren, war mir wichtig. Vielleicht behalten die Hörer sie ja im Hinterkopf, für den Fall, dass ein Freund oder eine Bekannte einmal eine schwere Diagnose erhalten.

Ich freue mich sehr über die Auszeichnung der Stiftung Gesundheit, da mir das Thema der Sendung auch persönlich sehr am Herzen lag.

Danke sagen möchte ich vor allem meinen drei Protagonisten Carolin, Meike und Flo dafür, dass sie die Hörer so weit in ihr Leben und ihre Gefühlswelt mitgenommen haben. Christina Metallinos von PULS danke ich für die engagierte Redaktion und Uli Knapp dafür, dass er die Moderation übernommen hat. Mein Dank gilt natürlich auch dem gesamten Team von PULS vom Bayerischen Rundfunk, das die Produktion der Sendung unterstützt hat.

Theresa Authalers Grußwort zur Preisverleihung des Publizistik-Preises der Stiftung Gesundheit