Lipödem Wortwolke.

Lipödem – Was ist das eigentlich?

Beim Lipödem handelt es sich um eine Erkrankung des Fettgewebes der Unterhaut. Meist treten die Symptome an Beinen, oft auch an den Armen auf. Die betroffenen Bereiche reagieren im Verlauf der Erkrankung immer schmerzhafter auf Druck und es kommt sehr schnell zu blauen Flecken. Für Betroffene ist das Lipödem mit einem großen Leidensdruck verbunden.

Merkmale eines Lipödems

Die Erkrankung beginnt meist in der Pubertät oder während einer Schwangerschaft und betrifft fast ausschließlich Frauen. Die Veränderungen an den Gliedmaßen werden anfangs kaum wahrgenommen bzw. für eine normale Gewichtszunahme gehalten. Diäten oder Sport nehmen auf das Fettgewebe an Beinen oder Armen keinen positiven Einfluss. Meist wird lediglich die Körpermitte schlanker. Durch das immer weiter wachsende Fettgewebe lagert sich auch immer mehr Wasser ins Gewebe ein und die Körperproportionen verschieben sich. Die Haut wird mit der Zeit unebener und fühlt sich gespannt an. Die Beschwerden verstärken sich häufig bei Wärme, nach langem Stehen sowie im Verlauf des Tages. Der Fettzuwachs tritt immer an beiden Beinen und auch an den Armen auf, Füße und Hände sind dabei in der Regel nicht betroffen. Wenn das Lipödem bereits über Jahre hinweg besteht, kann sich zusätzlich noch ein Lymphödem bilden. Es ist ebenfalls durch Schwellungen gekennzeichnet.

Lipödem: Ursachen

Warum ein Lipödem entsteht, ist wissenschaftlich noch nicht vollständig geklärt. Es ist anzunehmen, dass es einen erblichen Faktor gibt. Aus defekten Lymphgefäßen tritt vermehrt Lymphe aus, die sich dann zwischen den Fettzellen ansammelt. Die Fettzellen nehmen einen Teil der Lymphflüssigkeit auf und schwellen stetig an – wie ein Schwamm, der sich mit Wasser vollsaugt. Diese vergrößerten Fettzellen üben schließlich Druck auf Blut- und Lymphgefäße aus und erschweren auf diese Weise den Abtransport der Lymphe zusätzlich. In der Folge können die Fettzellen nicht mehr ausreichend ernährt werden und verhärten sich schließlich.

Lipödem: Symptome

Ein Lipödem zeichnet sich vor allem durch eine symmetrische Fettvermehrung an Beinen bzw. Armen aus. Die Körpermitte bleibt dagegen normal. In der Folge erscheinen die Körperproportionen irgendwann unstimmig. Die Fettverteilung kann dabei individuell sehr unterschiedlich sein. Verteilt sich das Fett gleichmäßig auf das ganze Bein spricht man von einem Säulenbein. Im weiteren Verlauf entwickeln Betroffene unter Umständen Fettwülste an Knien oder Sprunggelenken.

Zu Beginn der Erkrankung sind die betroffenen Gewebebereiche oft nur druckempfindlich. Auch Spannungsgefühle können vorkommen. Im weiteren Verlauf reagieren die Bereiche besonders schmerzhaft auf Druck. Die Haut fühlt sich zu Beginn der Erkrankung eher weich und zart, später dann rau und knotig an. Außerdem entstehen sehr leicht blaue Flecke.

Stadien des Lipödems

Mediziner unterscheiden beim Lipödem drei Stadien:

  • Stadium 1:
    Die Fettverteilung in der Unterhaut ist gleichmäßig, die Haut fühlt sich glatt an. Das Bindegewebe wird jetzt bereits überschwemmt und weicht auf.
  • Stadium 2:
    Im Unterhautfettgewebe bilden sich erste Knötchen. Auf der Haut zeigen sich unebene Stellen, die einer Cellulite ähneln. Schmerzen treten auf.
  • Stadium 3:
    Im Unterhautgewebe bildet sich vermehrt Bindegewebe. Auf diese Weise verhärtet sich der betroffene Bereich. An Oberschenkeln und Knien entstehen Fettwülste. Die Schmerzen werden stärker.

Bei einem stark ausgeprägten Lipödem können Betroffene Probleme beim Gehen entwickeln. Es kann zu wunden Hautstellen kommen, wenn die Gliedmaßen durch den Zuwachs des Umfangs aneinander reiben.
Lipödem: Therapie

Viele Betroffene leiden nicht nur unter den Schmerzen, sondern vor allem auch an den Veränderungen ihres Äußeren. Bislang kann man das Lipödem nicht gänzlich heilen. Die Symptome lassen sich aber mit einer adäquaten Behandlung größtenteils lindern. Auch der Umfang der Beine (oder Arme) kann verringert werden. Die Behandlung richtet sich nach dem Stadium der Erkrankung. Ärzte beginnen in der Regel ab Stadium 2 mit der Therapie.

Ziel der Therapie ist es, das im Gewebe gespeicherte Wasser so weit wie möglich zu verringern. Das kann mit zwei Methoden erreicht werden:

  • Komplexe physikalische Entstauungstherapie (KPE): Die KPE vereint vier verschiedenen Maßnahmen:
    1. Manuelle Lymphdrainage
    2. Kompressionsverbände
    3. Krankengymnastik
    4. Intensive Hautpflege
  • Durch spezielle Verbände oder Kompressionsstrümpfe lässt sich zu Beginn der Erkrankung oft verhindern, dass sich Wasser einlagert bzw. das Lipödem nicht weiter fortschreitet.

Da sich Ödeme immer wieder bilden können, sollte die KPE ein Leben lang durchgeführt werden. Diese Therapie hat jedoch keine Auswirkungen auf das Fettgewebe. Eine dauerhafte Linderung der Symptome des Lipödems kann mit einer Fettabsaugung erzielt werden.

Durch die schonende Liposuktion wird das Fettgewebe stark reduziert. Das betroffene Bindegewebe kann so weniger Wasser speichern und der Gewebedruck nimmt stark ab. Dies führt wiederum dazu, dass die Lymphe besser abfließen kann und die Empfindlichkeit der kleinsten Blutgefäße allmählich abnimmt. Meist können Patienten schon nach Abklingen der Operationsschmerzen einen Rückgang des Druckschmerzes wahrnehmen.

Auch das ästhetische Erscheinungsbild lässt sich durch eine Fettabsaugung verbessern. Gerade im Bereich der Unterschenkel können deutliche Erfolge erzielt werden, so dass längst vergessene Stiefel- und Hosengrößen wieder passen.

Zwar wird die Kombination aus KPE und Fettabsaugung als Therapie des Lipödems von Experten empfohlen, die Krankenkassen übernehmen jedoch nur selten die Kosten für die Fettabsaugung. Die KPE wird bei diagnostiziertem Lipödem in der Regel von der Krankenkasse gezahlt.

von Dr. von Lukowicz und Kollegen, 12. Juni 2017