Ohr

Lagerungsschwindel

Was ist Lagerungsschwindel?

Der Lagerungsschwindel entspricht einer vorübergehenden Funktionsstörung des Innenohrs mit dem Auftreten, in bestimmten Lagen, eines Gefühls der Instabilität des Raumes (Rotationsschwindel), begleitet von einer schnellen Bewegung der Pupillen (Nystagmus).

Die Teile des Ohres

Das Ohr hat drei sehr spezifische Teile:

  • Äußere Ohr: befindet sich vor dem Trommelfell mit der Ohrmuschel, dem äußeren Gehörgang.
  • Das hinter dem Trommelfell gelegene Mittelohr mit den drei kleinen Gehörknöchelchen (Hörorgane): Hammer, Amboss und Steigbügel.
  • Innenohr: Dieses verfügt über Elemente, die Teil der Gleichgewichtsfunktion sind: ein starrer Hohlraum, der dem knöchernen Labyrinth entspricht, in dem sich „ein weicher Teil“ befindet (das häutige Labyrinth).

Die Peri-Lymphe ist die Flüssigkeit im Raum zwischen den beiden Labyrinthen. Um einen Reflux zum Mittelohr zu verhindern, gibt es zwei Membranen (das runde Fenster und das ovale Fenster). Das häutige Labyrinth selbst besteht aus dem Vestibulum (beteiligt am Lagerungsschwindel) und der Cochlea.

Drei Teile charakterisieren das Vestibül: der Utrikel, der Sacculus und drei halbkreisförmige Kanäle (posterior, horizontal und anterior), die senkrecht zueinanderstehen. In jedem Kanal, der mit empfindlichen Wimpern ausgekleidet ist, zirkuliert eine Flüssigkeit namens Endolymphe. Auch Sinneszellen, die Informationen an das Kleinhirn senden, sind vorhanden.

Merkmale des Lagerungsschwindels

Der Lagerungsschwindel entspricht der Wanderung von kleinen Kalziumkarbonatkristallen, die normalerweise im Utrikel vorhanden sind, in einen der drei Kanäle. Er ist die häufigste Form des Schwindels. Ungefähr 30 Prozent der Patienten mit Schwindelgefühl haben eine Beteiligung des hinteren halbkreisförmigen Kanals. Seltener ist der Frontzahnkanal betroffen.

Was sind die Symptome eines Lagerungsschwindels?

Die klinischen Manifestationen variieren je nach betroffenem Kanal. Der gutartige Lagerungsschwindel ist vorübergehend, in bestimmten Positionen ausgelöst und daher reproduzierbar. Er geht immer mit einem schnellen, etwa 20 Sekunden dauernden Ruckeln der Augäpfel einher (Nystagmus). Ein rotatorischer Nystagmus wird beobachtet, wenn sich die Kristalle im hinteren halbkreisförmigen Kanal befinden.

Der horizontale Kanal (viel seltener) wird durch schnelle horizontale Bewegungen beeinträchtigt. Dieses Syndrom ist durch kurze Schwindelanfälle in Rückenlage gekennzeichnet, wenn der Kopf von rechts nach links rotiert. Vertikal- und Rotationsnystagmus treten mit höherer Wahrscheinlichkeit auf, wenn Kristalle im vorderen Gehörgang vorhanden sind.

Es handelt sich um ein paroxysmales Phänomen: Die klinischen Zeichen werden sich crescendieren und dann verschwinden. Die Anfälle können mehrere Wochen dauern und manchmal spontan oder nach therapeutischen Manövern des Arztes verschwinden.

Ursachen für Lagerungsschwindel

Wenn in den meisten Fällen der Ursprung des Syndroms unbekannt ist, können bestimmte anfängliche traumatische Umstände die Ursache sein. Der gutartige Lagerungsschwindel hängt mit einer Kristallwanderung im Innenohr zusammen: Die Ursachen dieser Wanderung sind im Moment noch unbekannt, aber sie wird bei Frauen leicht beobachtet, mit einer Spitzenhäufigkeit um das fünfzigste Lebensjahr herum.

Sie kann auch sekundär sein durch traumatische Phänomene (Kopftrauma mit gleichzeitiger Schädigung mehrerer Kanäle), durch einen Schock während eines Boxkampfes oder durch heftige Beschleunigungsphänomene, die auf bestimmten Fahrten oder bei Luftakrobatikübungen zu spüren sind.

Wie erfolgt die Diagnose?

Die Diagnose ist in der Regel klinisch, und in Fällen von gutartigem paroxysmalem Lagerungsschwindel sind nur wenige Tests erforderlich. Der Allgemeinmediziner hat kein Problem damit, die Diagnose zu stellen, wenn es sich um eine typische Form handelt. Andernfalls wendet er sich beim geringsten Zweifel an die HNO oder an den Neurologen.

Was sind die wichtigsten Behandlungsmethoden bei Lagerungsschwindel?

Einfache sogenannte Befreiungsmanöver können die Symptome verschwinden lassen: Sie sind in 80 Prozent der Fälle wirksam. Möglicherweise müssen Patienten eine Woche später die Prozedur wiederholen. Es werden drei Manöver empfohlen, die von fachkundiger Hand ausgeführt werden müssen:

Das Epley-Manöver ist eher bei älteren oder übergewichtigen Personen angezeigt. Es besteht darin, den Patienten in eine liegende Position zu bringen, mit dem Kopf zur Seite gedreht, was Schwindelgefühl auslöst. Anschließend dreht man den Betroffenen dann um 90° und bittet ihn, sich zu setzen.

Das Manöver Toupet et Semont besteht darin, Patienten, nachdem sie in eine liegende Position auf der Seite gebracht wurden, die Schwindel auslöst (Nase nach oben), schnell auf die andere Seite zu kippen, wobei die Nase zum Untersuchungsbett zeigt. Es dauert ein paar Minuten, bis das Schwindelgefühl abklingt.

Ein weiteres Manöver, das „Gewöhnungsmanöver“ heißt, ist zu Hause durchführbar: Auf dem Bett sitzend muss man den Kopf 45° nach rechts drehen und sich auf die linke Seite legen, dann wieder hinsetzen und den Kopf nach links drehen und sich auf die rechte Seite legen. Jede Position muss man 30 Sekunden lang halten, und sechs bis zehn Serien müssen drei Mal täglich durchgeführt werden.

Da Lagerungsschwindel oft mit einem mechanischen Phänomen zusammenhängt, sind die von einem Physiotherapeuten oder Arzt durchgeführten Manöver in der Regel ausreichend, um die Behandlung zu ergänzen.

 

Bildnachweis: Ksenia Chernaya | Pexels

 

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