Foto Dr. Lale Hakami

Kinderherzchirurgin Dr. Lale Rosenthal erhält für ihren ehrenamtlichen Einsatz das „Dr. Pro Bono“-Siegel

Ein Ehrenamt kann schon zeitintensiv sein – zwei sind für viele unmöglich. Die Kinderherzchirurgin Dr. med. Lale Rosenthal engagiert sich dennoch gleich doppelt. Dafür hat sie das „Dr. Pro Bono“-Siegel der Stiftung Gesundheit erhalten. Im Interview erzählt die Münchnerin von ihrem Einsatz für junge Mediziner und warum sie auch neben ihrer Arbeit für Kinder mit Herzfehler da ist.


Frau Dr. Rosenthal, wie fördern Sie das Gemeinwohl?

Ich engagiere mich auf verschiedene Arten. Für mich ist klar, dass gesellschaftliches Engagement in vielen Bereichen sinnvoll ist. So fördere ich zum einen die Ausbildung junger Kollegen aus Entwicklungsländern. Mir ist es wichtig, dass sie zu uns kommen und hier eine Ausbildung machen, um später ihre Patienten in der Heimat besser versorgen zu können. Ich bin davon überzeugt, dass wir nicht selbst in diese Länder gehen müssen. Besser ist es, wenn wir die einheimischen Nachwuchsmediziner bei uns auf hohem Niveau ausbilden.

Zum anderen bin ich auch außerhalb meiner Dienstzeiten für Kinder mit angeborenem Herzfehler da. Oft sprechen mich die Eltern an, weil sie eine zweite Meinung einholen möchten, ohne ihre Kinder in unserem Krankenhaus behandeln zu lassen. Mir ist wichtig, den Eltern Vertrauen in die anvisierte Behandlungsmethode zu geben – oder aber zu zeigen, dass es auch andere Wege gibt. Wenn die Eltern es wünschen, nehme ich auch mit dem behandelnden Kollegen Kontakt auf.

Warum engagieren Sie sich in dieser Form?

Weil ich die Eltern und das Kind unterstützen möchte. Wenn Eltern hören, dass ihre Entscheidung aus medizinischer Sicht richtig ist, nimmt das viel Druck von der Familie. Sie haben mehr Zeit für sich und ihre gesunden Kinder. Oft sind Eltern mit ihrem herzkranken Kind so intensiv beschäftigt, dass sie sich nicht um ihre anderen Kinder kümmern können. Deshalb ist es auch wichtig, sie als Kliniker darauf aufmerksam zu machen. Was die Ausbildung von Nachwuchsmedizinern angeht: Ich möchte die Kollegen unterstützen, damit sie bei uns diese Möglichkeit wahrnehmen können.

Planen Sie noch weitere ehrenamtliche Projekte?

Wie bereits erwähnt, möchte ich weniger vor Ort in den Entwicklungsländern aktive Arbeit leisten, sondern lieber deren angehende Ärzte in Deutschland fördern. Sollte es aber notwendig werden, dass wir vor Ort unsere Unterstützung anbieten, werde ich mir dort zuerst ein Bild von der Lage machen – und anschließend in Deutschland eine Ausbildungsmöglichkeit für Mediziner schaffen.

Wo besteht aus Ihrer Sicht noch Bedarf an ehrenamtlicher Arbeit?

In der Flüchtlingsarbeit, aber eben auch bei der Ausbildung medizinischer Kollegen aus dem Ausland. Wir müssen dafür sorgen, dass diese mit neuen Erkenntnissen in ihre Heimat zurückkehren. Das gilt vor allem für Ärzte aus Kriegsgebieten. Meine Hoffnung ist es, dass die jungen Kollegen aus diesen Ländern mit unserer Unterstützung dort wieder einen funktionierenden Medizinbetrieb aufbauen können.