Interview: Dr. von Gregory bekommt das „Dr. Pro Bono“-Siegel für sein ehrenamtliches Engagement

Werden Menschen in den Wirren bewaffneter Konflikte verletzt, erhalten sie nur selten die dringend notwendige medizinische Versorgung. Gerade für Kinder und Jugendliche fehlen die Spezialisten vor Ort – die es in Deutschland allerdings gibt. Dr. med. Henning von Gregory setzt sich ehrenamtlich für die Behandlung dieser jungen Patienten ein. Dafür hat er das „Dr. Pro Bono“-Siegel der Stiftung Gesundheit erhalten.


Wie engagieren Sie sich?

Ich engagiere mich seit 2014 im Plastisch-Chirurgischen Centrum für Terroropfer, placet e.V. Diese Initiative ermöglicht Kindern und Jugendlichen, die unter den Folgen von Terror, Krieg und Folter leiden, den Zugang zu dringend benötigter medizinischer Versorgung.

Foto Dr. med. von Gregory
Dr. med. Henning von Gregory engagiert sich ehrenamtlich für placet e.V.

Wie finden diese Patienten zu Ihnen? Und was tun Sie dabei genau?

Die Patienten werden meist über die Hilfsorganisation Friedensdorf International an unsere Berliner Arbeitsgruppe vermittelt. Viele von ihnen haben schwerste Gesichtsverletzungen mit entsprechenden Entstellungen und Funktionsdefiziten, wie etwa Probleme beim Sprechen oder Essen. Zudem leiden sie häufig unter Schmerzen. Ich als Spezialist für rekonstruktive und ästhetische Gesichtschirurgie nutze meine Expertise, um diesen jungen Menschen ein Stück Würde, Mut und Lebensqualität wiederzugeben.

Dabei übernehme ich nicht nur die Operationen selbst, sondern auch die oft sehr komplexe Therapieplanung und Nachbehandlung der Patienten. Die Plastische und Ästhetische Chirurgie ist ein hochspezialisiertes Fachgebiet. Ich selbst befasse mich vor allem mit funktionellen und ästhetischen Rekonstruktion im Bereich der Nase.

Warum engagieren Sie sich?

Wir haben das große Glück, in Sicherheit, Freiheit und Wohlstand zu leben. Für mich als überzeugten Christen ist es nicht zuletzt ein Gebot der Nächstenliebe, alles zu tun, um denen zu helfen, die dieses Glück nicht haben und noch dazu unverschuldet Leid ertragen müssen.

Wie ist Ihr Eindruck: Engagieren sich viele Kollegen ehrenamtlich? Tauschen Sie sich über solche Themen aus?

Auf jeden Fall. In meiner Tätigkeit für placet e.V. arbeite ich Seite an Seite mit vielen hochqualifizierten und engagierten Ärzten. Dazu zählen andere Plastische Chirurgen, wie auch Spezialisten für Allgemeine Chirurgie und Oralchirurgie, Augenheilkunde, Innere Medizin und Psychotherapie. Ohne diese Zusammenarbeit und das Engagement zahlreicher ehrenamtlicher Helfer wäre eine Versorgung auf allerhöchstem Niveau nicht möglich. Das gilt für alle Bereiche, von der Patientenbetreuung bis hin zur Organisation und juristischen Beratung.

Planen Sie in Zukunft noch andere ehrenamtliche Projekte?

Aktuell engagiere ich mich auch als Rotarier und Ehrenritter des Johanniter-Ordens. Daneben denke ich oft darüber nach, für einen längeren Zeitraum ins Ausland zu gehen, um dort ehrenamtlich als Chirurg zu arbeiten. Das war angesichts meiner Verpflichtungen in Berlin bislang nicht möglich, wäre aber ein Wunsch für die Zukunft.