Dr. med. dent. Bianca Wirnharter

Hypnose: Keine Angst vor dem Zahnarzt

Viele Menschen haben mitunter große Angst vor dem Besuch beim Zahnarzt. Immer mehr Zahnärzte bieten Ihren Patienten daher eine Hypnosebehandlung an. In diesem Trancezustand ist es möglich, das Schmerzempfinden zu reduzieren und die Behandlung so stressfreier zu gestalten. Eine völlige Ausschaltung des Schmerzes ist zwar nicht möglich, aber die Notwendigkeit einer örtlichen Betäubung kann stark reduziert werden. Der Patient erlebt, dass etwas passiert, nimmt diese Reize jedoch nicht als Schmerz wahr. Auf diese Weise wird der Eingriff als sanfter und angenehmer empfunden.

Was passiert mit mir bei einer Hypnose?

Patienten verbinden eine Hypnose beim Arzt häufig mit dem, was sie bereits aus dem Fernsehen kennen. Eine ärztlich induzierte Trance hat jedoch nichts mit dem zu tun, was in einer Hypnose-Show passiert. Äußerungen und Handlungen gegen den Willen des Pateinten sind nicht möglich und man ist zu keinem Zeitpunkt willenlos oder ausgeliefert. Zahnärztliche Hypnotherapeuten erlernen das nötige Wissen in speziellen Seminaren, wie sie zum Beispiel von der Deutschen Gesellschaft für zahnärztliche Hypnose e.V. angeboten werden. Dem Arzt geht es darum, für seinen Patienten eine angenehme Atmosphäre zu schaffen und die Behandlung so sanft wie möglich zu gestalten.

Die Frage, inwieweit man selbst überhaupt in der Lage ist, in einen Trancezustand zu verfallen, beschäftigt viele Patienten im Vorfeld einer Behandlung. Wie gut Sie hypnotisierbar sind, hängt zunächst davon ab, wie leicht Sie sich auf ein Thema konzentrieren können. Jeder der sich schon mal in einem spannenden Buch, beim Sport oder einer anderen Aktivität verloren hat, kennt das Gefühl, ganz darin aufzugehen und wie weggetreten zu sein. Von dort aus ist es nur noch ein Katzensprung in die Hypnose. Allgemein lässt sich sagen, dass zehn Prozent aller Menschen sehr gut hypnotisierbar sind, 80 Prozent gut und nur zehn Prozent schwer.

Wie läuft die zahnärztliche Behandlung unter Hypnose ab?

Bevor die Hypnose vor einem Eingriff angewendet wird, sollte im Vorfeld ein Beratungsgespräch stattfinden. Dabei wird erklärt, wie genau die Hypnose ablaufen wird. Während einer Trainingshypnose hat der Patient außerdem Gelegenheit, erste Erfahrungen damit zu machen. So kann die individuelle Eignung für die Hypnose festgestellt werden.

Der eigentliche Eingriff beginnt dann mit der Einleitungsphase. Der Arzt begleitet den Patienten mit Hilfe von Entspannungsmusik oder Traumreisen in den Trancezustand. Durch die Suggestion stellt sich eine angenehme Schläfrigkeit ein und Atmung sowie Puls verlangsamen sich.

Nach der Einleitungsphase beginnt die zahnärztliche Behandlung. Im Trancezustand hört der Patient noch Geräusche von außen, wie zum Beispiel den Bohrer. Wer das vermeiden möchte, kann während der Hypnose Musik über Kopfhörer laufen lassen.

Viele Patienten haben Angst, während der Behandlung aus der Trance zu erwachen. Diese Befürchtung ist jedoch unbegründet. Unterschwellig spürt der Patient, dass er den hypnotischen Zustand nicht verlassen sollte. Während der Hypnose weiß er also fast automatisch, wie er diesen Zustand auch während unvorhergesehener Zwischenfälle aufrechterhalten kann. Da sich der Patient bewusst ist, dass er sich im wachen Zustand nicht so wohl fühlen würde, bleibt er lieber in der Hypnose.

Durch Rücknahme der Suggestionen und Erinnerungen an den Wachzustand beendet der Zahnarzt schließlich die Hypnose. Der Patient fühlt sich auch jetzt noch entspannt und kann den Eingriff in guter Erinnerung behalten.

Für wen ist Hypnose beim Zahnarzt geeignet?

Hypnose ist in vielen Fällen eine sinnvolle Maßnahme, um den Eingriff angenehmer zu gestalten, Ängste zu nehmen und den Einsatz von Schmerzmitteln zu reduzieren. So können zahnärztliche Behandlungen beispielsweise ohne Probleme auch bei Schwangeren vorgenommen werden, ohne dass Gefahr für das Baby besteht. Auch Patienten, die eine Narkoseunverträglichkeit haben, profitieren von dieser Methode.

Die Anwendung von Hypnose hat sich besonders bewährt bei:

  • Großer Angst vor zahnmedizinischen Eingriffen
  • Spritzenangst
  • Ohnmachtsneigung bei der Zahnbehandlung
  • Akuten und chronischen Schmerzen
  • Langzeitbehandlungen
  • Übermäßigem Würgereiz
  • Zähneknirschen (Bruxismus)
  • Verspannungen im Gesichts- und Mundbereich
  • Kopfschmerzen
  • Hautveränderungen im Mundbereich wie Lippenherpes
  • Medikamentenallergie/ -unverträglichkeiten
  • Erhöhtem Narkoserisiko

Übernimmt meine Krankenkasse die Kosten?

Die Hypnose im Rahmen einer zahnmedizinischen Behandlung ist nicht Bestandteil des Leistungskatalogs der gesetzlichen Krankenkassen. Gesetzlich versicherte Patienten können also nicht damit rechnen, dass die Kosten von ihrer Krankenkasse übernommen werden. Privat Versicherte sollten sich bei ihrer Versicherung erkundigen, ob sie die Kosten erstattet bekommen.

von Dr. med. dent. Bianca Wirnharter, 3. März 2017

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