Einschlafprobleme bei Kindern

Die Einschlafroutine, der verlässlich wiederkehrende Ablauf, wenn die Zeit zum Schlafengehen kommt, ist das zentrale Mittel, um Kindern das leichte Einschlafen zu lehren. Der wiederkehrende Ablauf allein reicht insbesondere zu Anfang nicht aus. Das Einschlafenlernen will durch weitere, konkrete Schritte unterstützt sein. Die einzelnen Schritte gegen Einschlafprobleme hängen jeweils vom Alter des Babys ab.

Einschlafprobleme während der ersten sechs Lebensmonate

Ist es für das Baby an der Zeit einzuschlafen, dürfen Mutter oder Vater nicht sofort beim ersten Schrei beim Kind sein. Im ersten halben Jahr setzt man sich ein Zeitlimit, über das hinaus man Schreien nicht mehr überhören möchte. Insbesondere bei kleinen Säuglingen ist man zu Recht besonders besorgt und das obere Zeitlimit sollte bei etwa zehn Minuten liegen; wenn Sie nur fünf Minuten übers Herz bringen, ist es auch gut.

Es ist wichtig, diese Zeitgrenze nicht zu lang zu wählen. Es könnte ja tatsächlich etwas nicht ganz in Ordnung sein. Und kämen die Eltern zum Kind, wenn es sehr lange geschrien hat, würden sie dem Kleinen die Botschaft übermitteln: „Wenn Du nur wirklich lange genug schreist, dann komme ich doch“. Das ist kein Widerspruch. Gebraucht wird elterliches Augenmaß und Gefühl.

Nun beginnt die Erziehung zum Schlafen, das Erlernen neuer Verhaltensweisen. Wenn Sie nun die bisherige Praxis ändern, sollten Sie auch dem noch so kleinen Baby erklären, was geschehen wird und warum. Zwar wissen Sie nicht, was Ihr Baby verstehen wird, aber es sollte einbezogen werden und die Gelegenheit bekommen, zu verstehen.

Hat das Baby seine Einschlafroutine durchlaufen, liegt es gesättigt und mit frischen Windeln in seinem Bettchen, verlassen Mutter und / oder Vater das Zimmer. Dann – so bringt es noch das bisher übliche Verhalten mit sich – stellt der Filius die Sirene an, beginnt zu schreien.

Das Baby schreien lassen

Sie haben sich vorgenommen, das Schreien für zehn Minuten zu ignorieren und tun genau das. Wenn das Schreien nach zehn Minuten nicht verstummt ist, geht man leise wieder zum Bettchen und prüft in sehr sachlicher, ruhiger Manier, dass weder Decke noch Kleidung verrutscht sind, das Baby nicht mit Erbrochenem bedeckt ist, die Windeln noch sauber sind, der Schnuller nicht unter die Decke gerutscht ist und so weiter. Außerdem vergewissert man sich kurz, dass das Baby noch genau so rosig und gesund aussieht, wie zehn Minuten zuvor und sich das Baby weder heiß noch kalt anfühlt.

Am Ende dieser meist nur wenige Augenblicke dauernden Überprüfung versichert man dem Baby knapp und mit leiser, aber bestimmter Stimme, dass alles in Ordnung ist, man es überaus liebt und dass man jetzt wieder ins Zimmer nebenan ginge, während es fürs Baby nichts besseres als Schlafen gibt.

Falsch wäre es in dieser Situation, das Baby aus dem Bettchen herauszunehmen, ein anderes Bilderbuch zu zeigen oder ein weiteres Lied zu singen. Man ist ausschließlich hingegangen, um sicherzustellen, daß die optimalen Einschlafbedingungen auch weiterhin bestehen, und auszuschließen, dass es für das Schreien einen anderen Grund gibt als Lust nach elterlicher Gesellschaft.

Die „Belohnung“ fürs Schreien, nämlich die neuerliche Anwesenheit der Eltern, muss so mager wie nur möglich ausfallen und das Baby sollte so wenig wie möglich stimuliert, angeregt werden.

Deshalb ist es wichtig, sich so kurz wie möglich im Zimmer aufzuhalten, dem Baby so wenig Aufmerksamkeit wie möglich zu schenken und am besten langweilig neutral gestimmt zu sein, vielleicht sogar durch das Baby scheinbar hindurchzugucken – auch wenn es nicht leicht fällt. Schimpfen dagegen würde nur das Gegenteil bewirken, denn das Kind hätte sein Ziel, Aufmerksamkeit zu bekommen, erreicht. Es würde dann in kommenden Fällen wieder auf das Instrument des Schreiens zurückgreifen.

Machtspiele können sehr kräftezehrend sein

Falls nun das Baby, statt seiner Müdigkeit nachzugeben, eine Kraftprobe will, haben die Eltern keine andere Wahl, als das gleiche Spiel zu wiederholen: für zehn Minuten das Schreien ignorieren, dann auf die gleiche Weise – in am besten noch verkürzter Form – nachschauen und sich kurz vom Wohlergehen ihres Kindes überzeugen, dann zügig aber ruhig das Zimmer wieder verlassen.

Es geht hier um kleine Säuglinge in den ersten sechs Lebensmonaten. Dieser Zyklus muss daher im Einschlafen münden. Länger als zehn Minuten aber sollte man das Schreien eines kleinen Säuglings nicht unbeantwortet lassen. Das wäre nicht nur herzlos, erzieherisch unklug, sondern möglicherweise auch gefährlich.

Nur in Ausnahmefällen werden Eltern diese Prozedur mehrere Male wiederholen müssen; und wenn, dann wahrscheinlich nur während der ersten Abende, wenn es gilt, über Monate hinaus gelerntes Verhalten in neue Verhaltensformen hinüberzuführen.

Früher oder später wird wohl jedem Säugling dieses Spiel zu langweilig. Der Müdigkeit nachzugeben ist dann attraktiver. Ein wichtiger Schritt im Kampf gegen kindliche Einschlafprobleme.

Seien Sie konsequent!

Über Erfolg oder Misserfolg dieses Lernschrittes entscheidet eines: die elterliche Konsequenz, immer ohne Ausnahme die gleiche, langweilige, knappe Art beizubehalten – auch wenn Mutter und Vater innerlich kochen. Wenn bereits nur ganz selten das Schreien mit Wiegen auf dem Arm oder anderen, spannenden Dingen belohnt wird, bleibt wahrscheinlich der Erfolg aus. Dann nämlich lautet die Botschaft an das Baby: „Es lohnt sich doch, lange zu schreien, ab und zu kommt doch die gewünschte Belohnung“.

Einschlafprobleme zwischen sechs Monaten und einem Jahr

Kinder, die älter als sechs Monate alt sind, sind bereits mobiler und können sich aus vielen Situationen – leider nicht aus allen – selbst befreien. Außerdem verstehen sie mehr und mehr die Erklärungen der Eltern. Weiterhin kann man beruhigt sein, dass Dreimonatskoliken kaum mehr vorkommen.

Der Auftakt zum Einschlafen verläuft wie auch bei den ganz Kleinen: Nach Ablauf der Einschlafroutine legt man das gesättigte, in frische Windeln gewickelte Baby in sein Bettchen. Die weiteren Spielregeln ändern sich nun. Das Baby muss erfahren, was geschehen wird. Deshalb erklären es ihm Mutter oder Vater.

Nehmen Sie sich Zeit, um in einfachen Worten Ihrem Kind zu beschreiben, dass es nun schon größer geworden ist und lernen muss, ohne die Eltern einzuschlafen. Das Lieblingsstofftier darf selbstverständlich dabei bleiben. Erklären Sie, wie ungemein stolz Sie sein werden, wenn Ihr Kind diesen Schritt schaffen wird und versprechen Sie eine wirklich attraktive Belohnung, ein schönes Spielzeug. Je nach Entwicklungsstand des Kindes können Sie dann noch erwähnen, wie wichtig es ist zu schlafen, um gesund zu bleiben und zu wachsen, kurzum: groß und stark zu werden. Das stimmt, denn Wachstumshormone werden in der Tat überwiegend während des Schlafes ausgeschüttet.

… das Kind protestiert dennoch

Wenn dann das Verlassen des Zimmers durch den Beginn des Schreiens honoriert wird, wird man wie bei dem jüngeren Säugling zunächst zehn Minuten warten, ob das Baby aufhört zu schreien. Falls nicht, geht man nach Ablauf dieser zehn Minuten wieder zum Baby, in genau der gleichen ruhigen, sachlichen Weise wie beim jungen Säugling.

Man stellt sicher, dass dem Baby nichts anderes fehlt als Gesellschaft. Diese Vermutung liegt nahe, wenn bei Ankunft der Eltern im Kinderzimmer das Schreien verebbt und in ein Lächeln übergeht.

Vor Verlassen des Zimmers macht man nun dem Baby in ruhiger, bestimmter und unmissverständlicher Stimme folgendes klar: Alles ist in Ordnung, die Eltern lieben das Baby ungemein, es ist Zeit zum Schlafen, die Eltern sind im Zimmer nebenan. Sie kommen nun jedoch nicht mehr. Weiteres Schreien bleibt unnötig, stattdessen erwartet man vom Baby nun einzuschlafen.

Wiederholen Sie die Ankündigungen bezüglich der neuen Regeln. Vermutlich wird das Baby nicht Ihre Einsicht teilen, sondern lauthals nach den gewohnten Exkursionen durch die Wohnung auf Ihrem Arm, den Liedern, den Geschichten oder dem Vater als Einschlafhilfe im Bett und so weiter verlangen.

Behalten Sie Ihr Ziel im Auge: Das Kind soll alleine einschlafen

Jetzt konsequent zu bleiben, das ist meistens sehr, sehr schwer. Sie müssen sich bewusst sein, warum Sie wirklich den leidigen Schlafproblemen ein Ende machen wollen. Es ist für Kind, Familie, Mutter und Vater das Beste. Notfalls ein Ende mit Schrecken als ein Schrecken ohne Ende. Einschlafprobleme kosten andernfalls alltägliche Mühen.

Wie Sie angekündigt hatten, werden Sie nicht noch einmal hingehen. Sie müssen standhaft bleiben, um Ihrem Kind zu helfen, allein einschlafen zu lernen. Der Weg ist hart. Aber es bleibt nun keine andere Möglichkeit, weil das Kind diese Lernerfahrung zuvor nicht machen konnte.

Verblüffenderweise ist dieser Weg aber meist für die Eltern sehr viel härter als für die Kinder. Auch wenn das Baby sich am ersten Abend stundenlang vermeintlich die Seele aus dem Leibe brüllt, auch wenn Sie während jeder Sekunde dieser Stunden gelitten haben, wenn Sie am nächsten Morgen voller Schuldgefühl zum Kinderbett gehen, werden Sie erstaunt sein, ein lächelndes Baby vorzufinden, das sich freut, Sie zu sehen.

Sie lieben Ihr Kind und umgedreht

Es ist ein natürlicher, sehr sinnvoller Instinkt, zu seinem schreienden Baby zu gehen. Daher wird es jedem normal veranlagten Menschen extrem schwer fallen, das plötzlich nicht mehr zu tun. Man fühlt sich kalt, hart, gefühllos und einfach schlecht, geradezu unmenschlich. Nehmen Sie sich vor, Ihr Kind am nächsten Tag mit Liebe zu überschütten. Die Kinder lernen lediglich neue Spielregeln und die wichtige Fähigkeit, allein einzuschlafen. Aber die Eltern gehen währenddessen durch Abgründe von Gefühlen.

Auch wenn es lange dauern wird, irgendwann werden Sie aufhorchen, und vom Kinderzimmer herüber dringt Stille. Sie werden zum Bettchen eilen und dort liegt Ihr selig schlafendes Baby, als wäre nichts gewesen.

Am folgenden Morgen, selbst wenn Ihr Kind am Vorabend stundenlang geschrien hat, verdient es großes Lob, dass es geschafft hat, ohne die Eltern einzuschlafen. Vermitteln Sie auch, dass Sie sicher sind, dass es jetzt bald immer besser allein einschlafen wird. Geben Sie Ihrem Kind auch Gelegenheit, nicht nur von Ihnen allein, sondern auch in Gegenwart von Großeltern, Freunden und so weiter Lob zu empfangen. So kann das Kind Stolz auf seine Leistungen entwickeln. Nehmen Sie sich während des Tages jede Menge Extrazeit, um Ihrem Kind Liebe und Streicheleinheiten zu schenken. Das hilft beiden.

Am nächsten Abend folgt das gleiche Einschlafritual, genau der gleiche Ablauf wie am Vorabend. Mit etwas Glück wird Ihr Baby bereits ein bisschen weniger schreien. Am nächsten Morgen werden Sie auch nur die kleinste Verbesserung überaus nachhaltig loben. In genau der gleichen, konsequenten Weise werden auch die kommenden Abende ablaufen, bis Ihr Kind die neuen Regeln gelernt hat und es aufgegeben hat, dagegen anzukämpfen.

Einschlafprobleme nach dem ersten Geburtstag

Wachsen die Kinder heran, dann wachsen auch ihre Fähigkeiten: Laufen, Sprechen und damit auch die Fähigkeit, die Erziehung zum Schlafen zu unterlaufen. Bald nach dem ersten Krabbeln kann der Nachwuchs aus dem Gitterbett klettern und durch die offene Tür ins Wohnzimmer schlüpfen. Dann ist es Zeit, das Kind in ein großes Bett umzuquartieren.

Lernt das Kind sprechen, dann entwickelt es auch schnell einen wahren Fundus an Ideen, warum die Eltern nochmals ins Zimmer kommen müssen.

Auch dann gilt: Machen Sie Ihrem Kind klar, dass Sie – sobald alle legitimen Kinderbedürfnisse befriedigt sind – nicht mehr reagieren. Wenn Ihr Kind aus dem Bett schlüpfen, aber noch nicht die Tür öffnen kann, können Sie Ihr Kind vor die Wahl stellen, entweder es bleibt im Bett liegen oder die Tür wird geschlossen. Falls als Ergebnis die Tür zu bleibt, wird das Kind vermutlich aufstehen, einige Male an die Tür klopfen und dann auf dem Fußboden hinter der Tür einschlafen. Später, sobald der kleine Liebling schläft, befördern ihn seine Eltern vom Fußboden zurück ins Bett.

 

Autoren

Sabine und Mogens Poppe

 

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