Durchschlafprobleme bei Kindern

Nächtliches Aufwachen überwinden: Ein neuer Meilenstein

Als nächster große Schritt nach dem Erreichen des alleinigen Einschlafens folgt die Überwindung des nächtlichen Aufwachens und Schreiens: Durchschlafprobleme beseitigen. Auch hier soll das Kind mit Hilfe der Eltern eine neue Fähigkeit erlernen, indem bestehende, früher erlernte Gewohnheiten verändert werden.

Der beste Weg, dem Kind das nächtliche Elternwecken abzugewöhnen, ist die Botschaft, dass es nicht lohnt. Das Vorgehen basiert auf den gleichen Prinzipien wie die Erziehung zum Einschlafen. Die erfolgreiche Erziehung zum Durchschlafen setzt natürlich erfolgreiches Einschlaftraining voraus.

Kinder wachen regelmäßig mehrere Male während jeder Nacht auf. Jedes Mal müssen sie aufs Neue allein, ohne Hilfe der Eltern, im eigenen Bett wieder einschlafen. Wie sie das am besten lernen, hängt vom Alter ab.

Durchschlafprobleme während der ersten sechs Lebensmonate

Ein Säugling, der jünger als ein halbes Jahr ist, kann noch nicht angemessen das Durchschlafen erlernen, wenn andere Verhaltensweisen schon eingeübt sind. Erst ab einem Alter von sechs Monaten kann die Erziehung zum Durchschlafen beginnen. Erst dann kann man beruhigt sein, dass einerseits die Kapazität des Magens sicher groß genug ist, um eine Nacht ohne Mahlzeit zu überstehen und das Kind außerdem genug wahrnimmt, um bereits gelernte Verhaltensweisen umzulernen.

Gleichwohl kann man auch bereits während der ersten sechs Monate die Entstehung von Schlafproblemen verhindern oder gegebenenfalls abschwächen. Noch lässt sich meist das nächtliche Aufwachen nicht ganz vermeiden. In den nächtlichen Einschlafsituationen verfährt man dann am besten wie auch am Abend: Schauen Sie in zehnminütigen Intervallen auf neutrale, knappe und langweilige Weise kurz nach dem Baby, bis es aufhört zu schreien.

Durchschlafprobleme zwischen sechs Monaten und einem Jahr

Als erster Schritt bei Durchschlafprobleme wird dem Baby am Vorabend in einfacher Sprache angekündigt, dass es jetzt alt genug ist, in der Nacht nicht mehr nach den Eltern zu verlangen. Die Eltern werden froh und stolz auf ihr Kind sein, sobald es diesen wichtigen neuen Meilenstein erreicht hat – und das sagen sie ebenfalls dem Kind. Außerdem empfiehlt es sich erneut, ein attraktives Geschenk als Belohnung zu versprechen. Freilich muss dieses Versprechen dann auch eingehalten werden, wenn das Ziel erreicht ist.

Wenn ein Baby dieser Altersgruppe nachts aufwacht und schreit, gehen Sie jeweils zunächst zu Ihrem Kind und sehen, ob es Ihre Hilfe braucht. In äußerst sachlicher, ruhiger Manier prüfen Sie, ob alles in Ordnung ist. Entsprechend zur Einschlafsituation umfasst die Kontrolle die folgenden Punkte:

– Hautfarbe, Temperatur sowie ungewöhnliche Bewegungen des Kindes,

– Schlafposition, Bettdecke, Bettlaken, Kleidung, Windel, Spielzeug und so weiter.

Hat das Kind zur gewohnten Zeit seine Abendmahlzeit bekommen, sollte Hunger nicht der Auslöser von Schlafproblemen. Es ist unwahrscheinlich, dass gerade die erste Nacht des Programms zur Überwindung von Durchschlafproblemen mit der Notwendigkeit einer weiteren Breimahlzeit zusammentrifft.

Um dennoch absolut sicher zu sein, Ihrem Kind kein Unrecht zu tun, können Sie kurz Milch anbieten. Alles andere als gieriges, effektives Saugen gilt als Beleg, dass Hunger nicht im Spiel ist. Falls doch, verschieben Sie das Durchschlaftraining um mindestens vier Tage.

Kurzer Check, ob alles in Ordnung ist

Hat der Kontrollgang ergeben, dass es dem Kind gut geht, dass es nicht unbequem liegt, Hunger hat oder anderweitig in Nöten ist, läuft das bewährte Verfahren ab: Vor dem Verlassen des Zimmers wiederholen Sie die Ankündigungen, dass es Zeit ist, allein weiterzuschlafen und Sie nun während der Nacht nicht mehr hereinschauen werden. Abschließend wünschen Sie dem Kleinen eine gute Nacht und kehren in Ihr Bett zurück. Und dort bleiben Sie für den Rest dieser Wachperiode.

Falls das Kind nach langem Schreien endlich einschläft und nach einiger Zeit erneut aufwacht und schreit, sollten Sie wiederum einmal hingehen und sicherstellen, dass Ihrem Kind nichts fehlt außer Gesellschaft und Unterhaltung. Danach gehen Sie gleich zurück in Ihr Zimmer. Der gleiche Ablauf mag sich einige Male während der ersten Nächte wiederholen.

Wie immer in dieser Situation sollte der Aufenthalt von Mutter oder Vater beim Kind völlig neutral und knapp verlaufen. Um drei Uhr in der Nacht fällt das ohnehin nicht schwer. Nach wenigen Nächten sollte sich bereits Besserung zeigen, die dann natürlich gebührend gelobt werden muss.

Die Häufigkeit des Aufwachens und die Dauer des Schreiens wird abnehmen. Und das Kind wird tagsüber schon etwas besser gelaunt sein.

Den eingeschlagenen Weg müssen die Eltern dann konsequent weitergehen, bis für alle Beteiligten unberechtigtes Schreien in der Nacht nur noch aus der Erinnerung bekannt sein wird.

Durchschlafprobleme nach dem ersten Geburtstag

Wachsen die Kinder heran, werden sie mobiler, bis es kaum noch Hindernisse gibt, die nicht mit Klettern überwunden werden können. Zugleich verstehen Kinder nun erheblich genauer, was die Eltern ihnen sagen. Außerdem braucht man bei etwas älteren Kindern nur beim ersten nächtlichen Erwachen nachzuschauen, ob es wirklich Probleme gibt oder nur die Gewohnheit, die das Kind nach Gesellschaft rufen lässt.

Nun kann es geschehen, dass die Mutter nachts zum weinenden Kind kommt und das verlangt nach dem Vater – und umgekehrt. Das ist ein sicheres Zeichen, dass es dem Kind gut geht und die Eltern – Mutter und Vater gemeinsam – mit dem Schlafprogramm fortfahren können.

Wenn man anlässlich des ersten lautstarken Erwachens gesundheitliche und andere Probleme ausgeschlossen hat, erinnert man das Kind kurz an die neuen Regeln sowie die vereinbarte Belohnung und kehrt in sein Bett zurück, wo man dann für den Rest der Nacht bleibt.

Zusätzlich zum elterlichen Lob können ältere Kinder auch zum Beispiel persönlich oder am Telefon anderen vertrauten Personen stolz über die Fortschritte beim Erlernen des Durchschlafens berichten. Das motiviert ungemein.

In den darauffolgenden Nächten werden Sie konsequent in immer gleicher Weise verfahren, bis die Durchschlafprobleme überwunden sind. Wie lange es schließlich dauert, bis die Probleme überwunden sind, hängt sehr von Alter und Temperament der Kinder ab. Fortschreitendes Verstehen dessen, was vor sich geht, mag eher zum Akzeptieren der neuen Regeln führen. Andererseits mag ein energischerer Wille des Kindes den Prozess hinauszögern.

 

Autoren

Sabine und Mogens Poppe

 

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