Frau in Läuferdress hält Flagge von Ärzte ohne Grenzen.

Einsätze im In- und Ausland: Dr. Maoz unterstützt Ärzte ohne Grenzen

Die humanitäre medizinische Organisation Ärzte ohne Grenzen setzt sich dort für Menschen ein, wo die Hilfe am bittersten nötig ist. Ein Zusammenbruch des staatlichen Gesundheitssystems, der Ausbruch einer Krankheit oder Krieg und Vertreibung können dafür sorgen, dass Menschen nicht mehr hinreichend medizinisch versorgt werden. Zusammen mit vielen freiwilligen Helfern setzt sich Ärzte ohne Grenzen in diesen Gebieten ein. Eine Helferin im Auslandseinsatz ist Dr. Dorit Maoz. Dafür erhält die Allgemeinmedizinerin von der Stiftung Gesundheit das Siegel Dr. Pro Bono.

Profilfoto.
Dr. Dorit Maoz

Frau Dr. Maoz, wie setzen Sie sich für das Gemeinwohl ein?

Ich war zwischen 2005 und 2012 insgesamt sechs Mal im Einsatz für Ärzte ohne Grenzen. Das war in Nigeria, Pakistan, im Tschad, im Südsudan, im Kongo und an der Elfenbeinküste. Die Aufgabenstellungen waren sehr unterschiedlich: akute Unterernährung bei Kleinkindern nach einem Masernausbruch in Nordnigeria, ein Choleraausbruch in Kashmir oder Ebola im Kongo.

Inzwischen bin ich niedergelassene Hausärztin und Diabetologin. Ich habe eine kleine Tochter, sodass Auslandseinsätze vorerst nicht möglich sind. Aber ich bin noch aktiv im sogenannten „Peer Support Network“. Hier kontaktiere ich Mitarbeiter von Ärzte ohne Grenzen, die kürzlich aus einem Einsatz zurückgekehrt sind. Ich bespreche nochmal den konkreten Einsatz bezüglich der Arbeitsbedingungen, individueller Belastungen, eventueller offener Fragen und Bedürfnisse des Einzelnen. Dabei geht es auch darum herauszufinden, ob eine weitere, gegebenfalls psychologische Betreuung der Mitarbeiterin/des Mitarbeiters notwendig ist. Daraus ergibt sich manchmal auch der Bedarf für eine weitere Nachbereitung des Einsatzes von Seiten von Ärzte ohne Grenzen. Das kann die Organisation des spezifischen Projekts, aber auch Abläufe beispielsweise in der Personalabteilung betreffen.

Außerdem bin ich bei einem Halbmarathon im Oktober in München angetreten (Foto). Dafür habe ich Spenden gesammelt, die zu 100% Ärzte ohne Grenzen zugutekommen.

Seit wann sind Sie ehrenamtlich tätig?

Mein erster Auslandseinsatz für Ärzte ohne Grenzen war 2005 in Nigeria. Damals hatte ein Masernausbruch im Nordwesten des Landes – da, wo heute Boko Haram wütet – bei vielen Kleinkindern zu Unterernährung und anderen, potentiell tödlichen Folgeerkrankungen geführt. Wir haben sie gegen Malaria, Lungenentzündung und Würmer behandelt, ihr Verdauungssystem langsam wieder aufgepäppelt und viele Kinder gesund nach Hause entlassen können. Wie so ein „Feeding Centre“ aussieht, kann man sich übrigens in den jährlich stattfindenden Ausstellungen von Ärzte ohne Grenzen ansehen: Im Einsatz mit Ärzte ohne Grenzen – die Ausstellung zur weltweiten Nothilfe.

Mein vorerst letzter Einsatz war in der Elfenbeinküste. Dort war im Anschluss an Wahlen aus verschiedenen Gründen das vorher eigentlich gut funktionierende Gesundheitssystem zusammengebrochen. Ärzte ohne Grenzen hat dabei geholfen, die Menschen – insbesondere Kinder und Schwangere – zu versorgen, während die Regierung das System wieder aufbaute.

Warum engagieren Sie sich in dieser Form?

Weil ich selbst das Glück habe, in einem Land mit weitgehend funktionierenden Strukturen geboren zu sein. In eine Familie, in der Bildung geschätzt und gefördert wurde. Weil ich einen Beruf erlernen durfte, der mir nicht nur sehr viel Freude bereitet, sondern es mir ermöglicht, das Leben anderer vielleicht ein klein wenig besser zu machen. Weil ich glaube, dass man, wenn in einer so privilegierten Situation wie ich ist, versuchen sollte, zu „teilen“ – im weitesten Sinne des Wortes.

Planen Sie in Zukunft noch andere ehrenamtliche Projekte?

Ich hoffe es wird sich noch oft ergeben, dass ich mich zugunsten anderer, die nicht so viel Glück hatten oder haben wie ich, einsetzen kann. Und wenn meine Tochter erwachsen ist, kann ich auch wieder über einen Auslandseinsatz nachdenken. Aber die ist jetzt gerade erst viereinhalb Jahre alt.

Wo besteht aus Ihrer Sicht noch Bedarf an ehrenamtlicher, ärztlicher Arbeit?

Natürlich besteht ein großer Bedarf in Ländern, deren Gesundheitssystem nicht oder nur bruchteilhaft besteht. Hier sind Ärzte ohne Grenzen und andere Regierungs- und Nicht-Regierungs-Organisationen aktiv.

Aber auch bei uns besteht Bedarf: bei Menschen, die als Flüchtlinge kommen und noch keine Krankenversicherung haben. Oder solche, die – aus welchen Gründen auch immer – aus unserem Versicherungssystem „gefallen“ sind und nun nicht mehr durch die bei uns bestehenden Strukturen aufgefangen werden. Es gibt aber auch noch sehr viel Bedarf im Bereich der Gesundheitsaufklärung: Schutz und optimale Versorgung und Förderung von Kindern, Aufklärung über gesunde Ernährung und körperliche Aktivität, Akzeptanz von psychischen Krankheiten und vieles mehr. Themen gibt es genug.