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Vorbeugen und Behandeln von Alzheimer: Aufklärungsarbeit im Mittelpunkt

„Hirnleistungsstörungen haben sehr lange Vorlaufzeiten und werden eine immense Bedeutung für unsere Gesellschaft bekommen“, sagt Dr. Michael H. Stienen. Dem Neurologen aus Karlsruhe liegen vor allem die Themen Alzheimer sowie Schluckstörungen am Herzen. Für die Aufklärung und Verbesserung der Diagnostik und Therapie setzt sich der Mediziner auch in seiner Freizeit ehrenamtlich ein. Dafür erhält er von der Stiftung Gesundheit das Siegel Dr. Pro Bono.

Dr. Stienen, in welcher Form setzen Sie sich ehrenamtlich für das Gemeinwohl ein?

Ich habe zwei Projekte. Das erste Projekt ist das Thema „Vorbeugen und Behandeln von Alzheimer“. Meiner Ansicht nach erfährt dieses Thema in Deutschland eine zu geringe medizinische und öffentliche Aufmerksamkeit und beschränkt sich weitgehend auf schulmedizinische Reparaturtherapie. Wir kennen wissenschaftlich nachweislich wirksame Methoden. Diese sollten bereits frühzeitig begonnen werden, da Alzheimer einen mehr als 20-jährigen Vorlauf vor ersten Beschwerden hat. Zwei Vorträge dazu habe ich bereits ehrenamtlich gehalten, ein drittes und viertes Mal ist bereits in Karlsruhe und Baden-Baden geplant. Des Weiteren informiere ich zu diesem Thema ausführlich auf meiner Homepage.

Mein zweites Projekt ist das Thema „Schluckstörungen“, das in der ambulanten Versorgung weitestgehend unbeachtet bleibt und viele ältere und chronisch Kranke betrifft. Schluckstörungen, zum Beispiel nach einem Schlaganfall oder durch Schädelhirntraumata, gehen oft mit einer lebensbedrohlichen Lungenentzündung einher. Dies gilt es durch adäquate Diagnostik und Therapie zu behandeln. Hierzu habe ich bereits mehrere Fortbildungen für Pflegekräfte in Pflege- und Altersheimen im Großraum Karlsruhe gehalten und werde dies auch weiterhin tun.

Wie lange sind Sie schon ehrenamtlich tätig?

Ich bin seit mindestens 15 Jahren ehrenamtlich tätig. In meinen Jahren in München war ich Berater beim VdK, zwischen 2011 und 2015 war ich Repräsentant der Deutschen Schlaganfall Stiftung im Berchtesgadener Land, hielt Vorträge über die Akutbehandlung von Schlaganfällen während meiner damaligen Tätigkeit als leitender Oberarzt einer neurologischen Rehabilitationsklinik. Damit habe ich erreicht, dass die Menschen Beschwerden frühzeitig richtig als Schlaganfall erkannten und dadurch früher nach dem Ereignis in die Kliniken kamen.

Wen möchten Sie mit Ihrem Engagement erreichen?

Es ist mein Anliegen, dass Patienten verstehen, dass zur Gesundheit immer auch Vorbeugen und Eigeninitiative gehört. Nur so lässt sich eine „Epidemie“ der Demenzkranken, die zu erwarten ist, mindern.

Bezüglich der Schluckstörungen ist es mein Anliegen, die nachweislich hohe Todesrate als Folge unbehandelter Schluckstörungen zu mindern.

Planen Sie weitere ehrenamtliche Projekte?

Die oben genannten Projekte füllen mich aus. Neue sind nicht geplant.

Wo wäre aus Ihrer Sicht ehrenamtliche ärztliche Arbeit noch wichtig?

Aus meiner neurologischen Perspektive sollte ein Hauptthema die Vorbeugung von Hirnleistungsstörungen sein, die sehr lange Vorlaufzeiten haben und eine immense Bedeutung für unsere Gesellschaft erlangen werden. Es sollten sich meines Erachtens nach prinzipiell mehr Ärzte bereitfinden, gesundheitliche Aufklärungsarbeit über gesunden Lebensstil zu leisten.