Aufgaben der Haut

Regulierung vieler Körperfunktionen

Die Haut reguliert diverse Aufgaben. Die physikalische Umwelt der Menschen, insbesondere Temperatur und Feuchtigkeit, unterliegt extremen Schwankungen. Lebenswichtige Körperfunktionen können aber nur in einem recht engen Rahmen funktionieren. Verlässt also das Körperinnere den akzeptablen Bereich von Temperatur, Feuchtigkeit und weiteren chemischen Rahmenbedingungen, geht das Leben zu Ende. Verantwortlich für diese umfassende und überaus wichtige Klimatisierung ist die Haut.

Aufgabe 1: Feuchtigkeitsregulierung der Haut

Der Flüssigkeitshaushalt des Körpers muss stabil bleiben, in trockener Luft an einem klaren, kalten Wintertag wie auch bei feuchter Hitze. Zuviel Wasser im Körper gespeichert ist lästig, ja gefährlich. Sämtliche Zellen des Körpers sind auf eine bestimmte Menge von Salzen und Mineralien angewiesen – nicht zu viel und nicht zu wenig. Verlässt die Zusammensetzung von Flüssigkeiten im Körper den Rahmen, stellen die Zellen die Tätigkeit ein.

Diese notwendige Feuchtigkeitsregulierung schafft die Haut auf mehreren Wegen: Einerseits sondern Talgdrüsen auf der Hautoberfläche Fett ab. Das verhindert, dass Haut und Organismus in trockener Umgebung zuviel Feuchtigkeit verlieren. Bei einem Überschuss an Feuchtigkeit dagegen wird Flüssigkeit über die Schweißdrüsen ausgeschieden. Unter normalen Bedingungen gibt die Haut etwa 0,6 bis 0,8 Liter Schweiß ab, bei großer Hitze oder schwerer Arbeit können es bis zu 15 Liter werden.

Aufgabe 2 der Haut: Wärmeregulierung

Für das Überleben ebenso wichtig wie die Feuchtigkeitsregulierung ist die Temperaturregulierung. Im Körperkern müssen permanent 36 oder 37 Grad Celsius herrschen, egal ob es stürmt und schneit oder die Sonne brennt. Weicht diese Temperatur ab, weil die Regelung aus dem Ruder gelaufen ist, ist der Tod nicht weit. Arme und Beine vertragen einige wenige Grad mehr an Temperaturschwankungen.

Und so leistet die Haut die Temperaturregelung: Steigt die Umgebungstemperatur, weiten sich die Blutgefäße in der Haut. Sie wird stärker durchblutet, damit gelangt mehr Wärme aus dem Körperinneren an die Körperoberfläche und wird dort an die Umgebung abgeführt. Steigt die Außentemperatur weiter an, sondert die Haut zusätzlichen Schweiß ab. Verdunstende Feuchtigkeit entzieht dem Körper intensiv Wärme.

Fällt das Thermometer, drosselt die Haut die Durchblutung: Weniger Wärme wird vom Körperinneren an die Oberfläche transportier. In der Folge ist die Haut kühler und verliert dadurch weniger Wärme. Kann die Körpertemperatur so nicht mehr ausbalanciert werden, folgt die nächste Stufe, die Gänsehaut. Die zahlreichen kleinen Muskeln in jedem einzelnen Haarbalg ziehen sich dazu zusammen. Diese Arbeit der unzähligen Muskeln in der Haut erzeugt Wärme und zugleich bewirken die aufgestellten Härchen am ganzen Körper eine dickere, besser isolierendere Luftschicht. Ähnlich der Fähigkeit, Fett in der Haut einzulagern, ist die Gänsehauttechnik mehr ein Überbleibsel aus grauer Vorzeit. Denn jeder Pullover ist der zumeist dürftigen Körperbehaarung der modernen Menschen auch bei kräftiger Gänsehaut überlegen.

Aufgabe 3 der Haut: Stoffwechsel

Noch viel kompliziertere Prozesse als bei der Temperatur- und Feuchtigkeitsregulation laufen im Zuge des Stoffwechsels ab, an dem die Haut intensiv beteiligt ist. So benötigt der Körper zum Beispiel Vitamin D (zum Einbau von Kalzium, das den Knochen Stabilität verleiht). Eine Vorstufe dessen kann er selbst herstellen und auch mit der Nahrung aufnehmen. Die Umwandlung der Vorstufe in die wirksame Form des Vitamin D kann nur die Haut mit Hilfe von Sonnenstrahlung leisten. Früher wurden deshalb Säuglinge in die Sonne gelegt, um der Knochenerweichung, Rachitis, vorzubeugen.

Darüber hinaus reguliert die Haut mit Hilfe der Schweißproduktion den Gehalt an Flüssigkeiten und Mineralstoffen im Körper.

Aufgabe 4: Abwehr von Bakterien und Fremdstoffen

Permanent ist der Körper Angriffen von schädlichen Bakterien, Viren und giftigen Substanzen ausgesetzt. Die Haut dient hier als Außenposten des Immunsystems des Körpers: Haut und erwünschte Bakterien leben hier in gegenseitigem Geben und Nehmen, in einer Symbiose. Die Bakterien fressen die nicht mehr benötigten Zellen sowie Teile von Talg und Schweiß und wandeln sie zu leicht sauren Produkten um. Ergänzend zur Schweißflüssigkeit entsteht dadurch eine chemisch saure Schicht auf der Haut, eine Schutzschicht. Dieser Säureschutzmantel schützt die Haut vor anderen, unerwünschten Bakterien, Pilzen und Viren – meistens jedenfalls. Gleichzeitig bietet er einen gewissen Schutz vor chemisch aggressiven Substanzen.

Eindringende Krankheitskeime erkennt die Haut und aktiviert sofort Abwehrzellen: Weiße Blutkörperchen sind ständig mit dem Blut in der Haut präsent. Einige von ihnen können sogar die Blutgefäße verlassen und direkt in die Haut hinübergehen. Treffen die weißen Blutkörperchen auf ein unerwünschtes Bakterium, so produzieren sie zur Abwehr spezielle Eiweißstoffe und töten das Bakterium ab. Andere weiße Blutkörperchen können Bakterien regelrecht auffressen. Dabei zeigen die weißen Blutkörperchen ein erstaunlich gutes Gedächtnis: Wenn sie einen Feind zuvor schon kennengelernt hatten, reagieren sie künftig viel schneller und bilden mehr Abwehrstoffe oder fressen sie schneller auf.

Zusätzlich senden die weißen Blutkörperchen während des eigenen Abwehrkampfes Signalstoffe aus, um weitere Artgenossen herbeizurufen. Einige dieser Botenstoffe erweitern die Blutgefäße. Dadurch fließen mehr Blut und dadurch auch mehr Abwehrzellen an den Ort des Geschehens. Solch eine Stelle erkennt man deshalb an der Rötung – wegen der stärkeren Durchblutung – und am Eiter, der aus großen Mengen weißer Blutkörperchen und Bakterien besteht, die beim Abwehrkampf auf der Strecke geblieben sind.

Darüber hinaus rufen die Botenstoffe Schmerz hervor, damit der Mensch gewarnt wird, dass etwas nicht in Ordnung ist. Genauso wie auf Bakterien können die weißen Blutkörperchen auf Pilze, Viren und Gifte reagieren.

Aufgabe 5 der Haut: Lichtschutz

Die Haut schützt nicht nur gegen Wärme und Kälte, Trockenheit und Nässe, sondern auch gegen Sonnenstrahlen. In engen Grenzen kann die Haut gleichsam lernen, ihre Schäden durch Sonnenbestrahlung zu reparieren. Mehr Schutz bringt die Hornschicht, die im Laufe der Sonnenbestrahlung dicker wird und den Schutzfaktor vier bewirken kann. Den wichtigsten Schutz bietet die Pigmentierung der Haut. Dafür enthält die Oberhaut pigmentbildende Zellen, die Melanozyten. Angeregt durch die Sonnenstrahlung bilden sie einen braunen bis schwarzen Farbstoff, der sich mit dem Wachstum der Hautzellen bis in die Hornschicht verteilt: Die Haut wird braun.

Aufgabe 6 der Haut: Sinnesorgan

Die Haut übernimmt aber nicht all diese lebenswichtigen Aufgaben, sie kann auch angenehme und unangenehme Empfindungen auslösen: Einen wesentlichen Teil des Kontaktes mit unserer Umwelt vermittelt die Haut. Reize, die auf die Haut einwirken, werden von den Nervenzellen registriert und an das Gehirn weitergeleitet. Für jede Art körperlichen Empfindens gibt es spezielle Sensoren: Schmerz, Kälte- und Wärmeempfindung, Druck, Bewegung, Vibration und Juckreiz. All das ermöglicht die Orientierung in der Umwelt. Ohne diese Sinne wäre ein normales Leben nicht möglich und hätte wohl auch wenig Sinn.

Aufgabe 7: Ausdrucks- und Kontaktorgan

Der neben dem Sehen und Hören wichtigste Sinn, der Tastsinn, ist hochentwickelt. Die Haut, genauer ihre eigens dafür angelegten Sinneszellen, können drei Berührungsarten unterscheiden: Druck, Bewegung und Vibrationen. Darüber hinaus können Wärme und Kälte sowie schädliche Einflüsse als Schmerzen wahrgenommen werden.

Doch die Kommunikation der Haut geht weit über diese mechanischen Vorgänge hinaus – bis ins Zwischenmenschliche. Sie bestimmt entscheidend den wichtigen ersten Eindruck. Zuerst sieht der Mensch gegenüber unsere Erscheinung, die Haut, die Haare. Nicht nur die plötzlichen Veränderungen der Haut von Zornesröte über hektische Flecken bis Leichenblässe oder Angstschweiß, Gänsehaut und gesträubte Nackenhaare gewähren unseren Mitmenschen einen Blick in das eigene Seelenleben.

 

Autor

Dr. med. Johannes Müller

 

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