Das Projekt „Barrierefreie Praxis“

Das Projekt „Barrierefreie Praxis“ baut auf den Informationen aus der Arzt-Auskunft auf. Neben dem Verzeichnis aller niedergelassenen Ärzte, Zahnärzte, Psychotherapeuten und seit neuestem auch aller Physiotherapeuten, enthält die Suche Angaben zu den Vorkehrungen der Barrierefreiheit in den einzelnen Praxen. Dadurch wird der Zugang für alle Menschen erleichtert.

Durch die Informationen zu den Vorkehrungen der Barrierefreiheit können Patienten nach einer Praxis suchen, die zum Beispiel Behindertenparkplätze oder verstellbare Untersuchungs- und Therapiemöbel anbietet. Auch Informationen zu Gebärdensprache, Leichter Sprache oder zu Hilfsmitteln für Menschen mit einer Sehbeeinträchtigung sind verfügbar. Patienten können diese Informationen über die kostenlose Telefonhotline, im Internet, bei den Partnerportalen und auch den Krankenversicherungen, die die Arzt-Auskunft Professional für ihre Versicherteninformation nutzen, einholen.

Das Projekt „Barrierefreie Praxis“ wird durch Spenden finanziert und von der Stiftung Gesundheit Fördergemeinschaft e. V. getragen.

taktile Bodenleitstreifen vor einem Aufzug.

Die Umsetzung des Projekts „Barrierefreie Praxis“

Der Startschuss für das Projekt „Barrierefreie Praxis“ fiel 2009. Es gab schlichtweg zu wenig Informationen über die Barrierefreiheit in der ambulanten ärztlichen Versorgung in Deutschland. Anfang 2010 wurden alle Ärzte, Zahnärzte und Psychologischen Psychotherapeuten in Deutschland angeschrieben, über das Thema informiert und nach dem Stand der Barrierefreiheit in ihrer Praxis befragt. Bislang sind rund 80.000 Ärzte mit Praxen, die mindestens ein Kriterium der Barrierefreiheit erfüllen, in der Arzt-Auskunft gekennzeichnet und recherchierbar. 140.000 verzeichnete Ärzte gaben an, keine entsprechenden Vorkehrungen zu haben bzw. haben keine Rückmeldung gegeben.

Erstmals überhaupt gibt es damit die Möglichkeit, die heute vorhandenen Ressourcen der Barrierefreiheit in Praxen flächendeckend abzufragen – und nutzbar zu machen. Das Recht auf freie Arztwahl rückt für alle Menschen etwas näher. Trotzdem: Es ist noch viel zu tun. Ein Navigationssystem wie die „Barrierefreie Praxis“ in der Arzt-Auskunft ist wichtig. Es darf aber nicht davon ablenken, dass es an Angeboten der barrierefreien Versorgung fehlt. Auch die Erhebung und Pflege der Informationen muss laufend weiterentwickelt und verbessert werden.

Im Herbst 2020 erfolgt die Erhebung zum Stand der Barrierefreiheit aller deutschen Physiotherapiepraxen. Das Ergebnis ist in der neuen Physio-Praxis-Auskunft zu sehen.

Was bedeutet Barrierefreiheit?

Barrierefrei und rollstuhlgerecht werden im täglichen Sprachgebrauch oft noch vermengt. Barrierefrei sind solche Räumlichkeiten und Einrichtungen, die für alle Menschen zugänglich und nutzbar sind. Dazu zählen auch, aber nicht ausschließlich, Menschen mit Einschränkungen unterschiedlichster Art. Treppen beispielsweise sind für Eltern mit Kinderwagen ebenso eine Hürde, wie für Menschen mit einer Gehbehinderung. Barrierefreiheit überall und für alle Menschen – so weit sind wir in Deutschland noch lange nicht.

Hier finden Sie eine Übersicht der wichtigsten Gesetze und Definitionen zum Thema Barrierefreiheit.


Barrierefreiheit in der ambulanten Versorgung in Deutschland


Barrierefreiheit in der ambulanten Versorgung in Deutschland

80.000 Ärzte bieten eine oder mehrere Vorkehrungen der Barrierefreiheit in ihren Praxen,
140.000 bieten keinerlei Vorkehrungen bzw. haben bislang keine Angaben dazu gemacht.


Vorkehrungen zur Barrierefreiheit ermöglichen es allen Menschen,
ohne fremde Hilfe einen Arzt aufzusuchen.


Markierungen in der Arztpraxis in Blindenschrift

Markierungen in der Arztpraxis in Blindenschrift

Barrierefreiheit: Empfangstresen in der Arztpraxis

Barrierefreiheit: Empfangstresen in der Arztpraxis

Handlauf in der Arztpraxis

Vorkehrungen für Menschen mit eingeschränkter Mobilität


Förderer der Barrierefreien Praxis

Viele tragen dazu bei, dass die „Barrierefreie Praxis“ ihre soziale Wertschöpfung entfalten kann. Es ist kaum möglich, alle Unterstützer und Förderer, auch aus dem Kreis der Ärzte, zu nennen. Bereits zur Zeit des Projektbeginns kam ein zuvor nicht gekanntes Spendenvolumen zusammen.

Die Redaktion der ÄrzteZeitung hat als Medienpartner schon 2009 und 2010 das Vorhaben unterstützt und gefördert. Das Bundeskompetenzzentrum Barrierefreiheit (BKB) hat mit dem Team den Fragebogen diskutiert und zur Verbesserung beigetragen.

Das Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS) hat als erster Partner die Inhalte und Funktionen als Teil der Arzt-Auskunft in sein Serviceportal www.einfach-teilhaben.de integriert und in intensiver Arbeit auf der Ebene der Technik die Funktionalität im Web so barrierefrei wie möglich gestaltet.

Der damalige Beauftragte der Bundesregierung für die Belange behinderter Menschen, Hubert Hüppe, hat das Projekt unterstützt und beispielsweise den gesetzlichen Krankenversicherungen empfohlen, die Arzt-Auskunft mitsamt dem Modul „Barrierefreie Praxis“ zu nutzen.

Da die gesetzlichen Krankenversicherungen durch das Sozialgesetzbuch verpflichtet sind, eine barrierefreie ambulante Versorgung zu ermöglichen, ist die Arzt-Auskunft mit dem Modul „Barrierefreie Praxis“ ein wichtiger Schritt in diese Richtung.