Urteil: Portale für anonyme Kommentare verantwortlich
Stiftung Gesundheit überprüft jeden Beitrag

Dieses Urteil sorgt für Aufregung: Der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte (EGMR) hat kürzlich entschieden, dass Nachrichtenseiten für Schmähkritik ihrer Nutzer verantwortlich gemacht werden können. Der EGMR hat die Klage eines großen Nachrichtenportals in Estland über eine Verletzung seiner Meinungsfreiheit zurückgewiesen. Der Portalbetreiber Delfi AS wurde bereits 2008 von einem estnischen Gericht wegen beleidigender Kommentare seiner Leser zu einer Geldstrafe verurteilt.

Zu einem Artikel über Fährrouten gaben Leser Kommentare mit Beleidigungen und Drohungen gegen die Fährgesellschaft ab. Diese verklagte daraufhin den Portalbetreiber und verlangte Schadensersatz – ­ erfolgreich!

Arzt-Auskunft frei von Schmähkritik

Was für Nachrichtenportale gilt, ist ebenso für Bewertungsportale interessant, vor allem, wenn Nutzer dort die Möglichkeit haben, Freitext-Kommentare zu schreiben. Das ist zum Beispiel bei der Arzt-Bewertung der Arzt-Auskunft der Fall. Hier können Patienten Noten für Ihre Mediziner verteilen und diese auch begründen. Diese Kommentare personalisieren die Bewertungen ungemein, sorgen aber gleichzeitig für einen großen redaktionellen Aufwand. Die Mitarbeiter verlassen sich nicht auf automatisierte Filter. Denn bei der Arzt-Auskunft wird jeder Freitext von Hand überprüft, um unangebrachte Kommentare auszuschließen. Kritik ist willkommen, jedoch keine Schmähkritik. Erst nach der redaktionellen Kontrolle wird der Beitrag freigeschaltet und damit für alle Nutzer sichtbar. Von diesem Vorgehen profitieren nicht nur die Nutzer der Arzt-Auskunft, auch andere Bewertungsportale greifen automatisch auf die in der Arzt-Auskunft getätigten Empfehlungen zurück ­ durch den Empfehlungspool.

Bildnachweis: Windorias_pixelio.de

Bildnachweis: Windorias_pixelio.de

Bewertungsportale schließen sich zum Empfehlungspool zusammen

Bereits 2008 analysierte die Stiftung Gesundheit die namhaften Arzt-Bewertungs- und Empfehlungsportale. Daraufhin wurden einige Portale eingeladen, sich dem von der Stiftung Gesundheit initiierten Empfehlungspool anzuschließen. Seither führen die Portale ihre jeweiligen Inhalte zu den Arzt-Empfehlungen zusammen. Als Basis dient den meisten Portalen dabei die Arzt-Auskunft. Die gemeinsamen Ergebnisse präsentieren die Partner dann in ihrem jeweiligen Layout. Eine Übersicht aller Teilnehmer des Empfehlungspools finden sie hier.

Ehrverletzende Aussagen fallen nicht unter Meinungsfreiheit

Jedoch arbeiten nicht alle Bewertungsportale mit solch einem redaktionellen Filter. So können auch beleidigende Kommentare den Weg ins Netz finden. Bei ehrverletzenden Aussagen wie „Der Arzt ist ein Idiot“ können Mediziner dagegen vorgehen. Sie sollten in solchen Fällen den Betreiber des Por­tals informieren und verlangen, dass der Eintrag gelöscht wird. Dabei können sich Betroffene auf das Urteil des Bundesgerichtshofs vom 27. März 2007 (AZ: VI ZR 101/06) berufen. Den Betreiber des Portals findet man im Impressum der jeweiligen Website.

von Stefanie Woerns, 16. Oktober 2013