Die Suche nach dem guten Arzt

Seit bald nun 15 Jahren, seit es die Arzt-Auskunft gibt, fragen uns Patienten, wer der beste Arzt in ihrer Nähe ist. (Die Arzt-Auskunft war und ist auch immer ein persönlicher Service am kostenlosen Telefon – nicht allein im Internet.) Die Frage nach der Nähe können wir schnell und eindeutig beantworten. Auch die Auswahl nach der fachlichen Spezialisierung und Fortbildung ist unser täglich Brot. Doch wer ist der Beste? Zahlenwerte helfen da bei weitem nicht: Wie vergleicht man Chirurgen mit Dermatologen, Psychiater mit Anästhesisten, Orthopäden mit Zahnärzten? Der Unterschied ist größer als der zwischen Äpfeln und Birnen. Die zentrale Frage ist ja, welcher Arzt in seinem Fachgebiet der beste ist. Aber auch die ist fast unmöglich zu beantworten. Der eine Allgemeinmediziner ist einfühlsam, hört gut zu, stellt viele Fragen. Dieselben Diagnosen stellt sein Kollege in der Hälfte der Zeit. Wer ist der bessere? Und was ist mit dem Arzt, der weniger einfühlsam ist, ja dessen schroffe Art gewöhnungsbedürftig ist – der aber ein begnadeter Mediziner ist (das sog. „House-Arzt-Syndrom“).

Ärzte sind unterschiedlich, genauso wie Patienten. Was für eine Binsenweisheit! Aber eine, die sich nur schwer in prominenten Ärztelisten darstellen lässt. Wir haben deshalb das Arztprofil entwickelt – vier Indikatoren, die den Arzt und seine Praxis genauer beschreiben:

Der Weisheit letzter Schluss ist auch unser Arztprofil nicht. Aber es liefert Hinweise, ob Patienten zum jeweiligen Arzt passen. Denn das ist unsere Aufgabe: Ärzte und Patienten gezielt zusammenzuführen.

Die Entwicklung unterdessen muss weitergehen: Ranking-Listen sind etwas für den Boulevard. Man kann sich daran voyeuristisch freuen oder ärgern. Der praktische Nutzen bleibt beschränkt. Was es braucht, ist ein Matching, ein Fitting, eine, pardon, Parshipisierung von dem Team Arzt-Patient. Denn der beste Arzt ist der, der am besten zum jeweiligen Patienten passt.

von Prof. Dr. Dr. Konrad Obermann, 23. März 2010