Menschen mit Behinderung die freie Arztwahl sichern

Wer eine Behinderung oder chronische Erkrankung hat, ist auf eine optimale und wohnortnahe, medizinische Versorgung angewiesen. Die Probleme beginnen jedoch oftmals schon am Eingangsbereich: Die Praxis ist nur über Stufen erreichbar, bietet keine Informationen in leichter Sprache, hat keinen speziellen Behandlungsstuhl oder kein Blindenleitsystem. Daher ist das Recht auf freie Arztwahl für Menschen mit Behinderung derzeit noch sehr eingeschränkt. Aktuell verfügen nur etwa ein Drittel aller Arztpraxen in Deutschland über einzelne Komponenten der Barrierefreiheit. Sehr viel weniger sind gänzlich ohne Barrieren eingerichtet. Hier besteht noch großer Handlungsbedarf. Die Hürden sind zwar vielfältig, doch sie sind vermeidbar. Gerade wer eine Praxis neu gründet oder einen Umbau bestehender Räume plant, hat die Möglichkeit, von Anfang an auf die entsprechenden Standards zu achten.

Ab dem kommenden Jahr bietet die Stiftung Gesundheit eine neue Anlaufstelle für Barrierefreiheit in der Gesundheitsversorgung an. Auf einer Online-Plattform können Experten aus der ärztlichen Praxis, Verbände und Wirtschaft ihr Wissen weitergeben, um den Ausbau eines barrierefreien, Gesundheitswesens zu unterstützten. Netzwerke wie diese können die medizinische Versorgung von Menschen mit Behinderung wohnortnah sowohl im ambulanten als auch imstationären Bereich schrittweise verbessern. Je mehr Akteure sich einbringen, umso zügiger wird die Teilhabe von Menschen mit Behinderung auch in der Gesundheitsversorgung gelingen.

Hintergrund: Das Projekt „Praxis-Tool-Barrierefreiheit“ befindet sich im Aufbau und wird in den ersten beiden Jahren vom Bundeministerium für Arbeit und Soziales gefördert. Danach soll es sich wirtschaftlich selbst tragen. Dazu sollen Projektpartnerschaften mit Akteuren aus der Wirtschaft vereinbart werden, um eine langfristige Finanzierung zu ermöglichen. Mehr Informationen auch unter:

www.stiftung-gesundheit-foerdergemeinschaft.de/projekte-undvorhaben/praxis-tool-barrierefreiheit/

Mann mit gebrochenem Bein und Gehhilfe

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von Maria Michalk, 25. September 2012