Barrierefreies Web: Erst fluchen, aber dann wird’s doch gut

Es gibt keine Probleme, es gibt nur Herausforderungen? Von wegen! Ich habe ständig mit Problemen zu kämpfen. Immer wenn wir die Arzt-Auskunft bei einem unserer Partnerportale einbinden, dann müssen wir die Schnittstellen programmieren. Und je nachdem, ob die Arzt-Auskunft bei der Deutschen BKK, bei wissen.de oder bei apotheken-umschau.de eingebunden wird, bedeutet es, sich mit komplett unterschiedlichen Systemen auf der Partnerseite befassen zu müssen. Das sorgt schon einmal für Blut, Schweiß und Tränen.

Eine der größten Herausforderung war allerdings einfach-teilhaben.de, das Portal für Menschen mit Behinderung vom Bundesministerium für Arbeit und Soziales. Hier mussten die Inhalte der Arzt-Auskunft nämlich in höchstem Grade barrierefrei verfügbar sein. Das bedeutet, dass beispielsweise die Schrift, wenn sie vergrößert wird, immer noch in der sinnvollen Reihenfolge angezeigt wird. Wir hatten aber Text zum Teil gar nicht als Text dargestellt. Warum? Wegen des Datenschutzes.

Die E-Mail-Adressen der Ärzte hatten wir beispielsweise geschützt, indem wir sie nicht als Text, sondern als Bild in der Seite dargestellt hatten. So konnten keine Spam-Bots die E-Mail-Adressen einlesen. Spam-Bots sind Computerprogramme, die E-Mail-Adressen automatisiert einlesen, und dann mit Werbung „beglücken“. Falls Sie sich schon mal gefragt haben, warum Sie plötzlich mehrmals am Tag per E-Mail zu Glücksspiel und Viagra-Kauf aufgefordert werden: Irgendein Spam-Bot hat vermutlich Ihre Adresse entdeckt.

Wir mussten also wesentliche Datenschutz-Erfordernisse bei den Arzt-Adressen auf andere, auf neue Pfeiler stellen. Und das ist uns gelungen. Wie? Das wird natürlich nicht verraten. Daran sollen sich die Spam-Bots und ihre Hintermänner ruhig die Zähne ausbeißen. Vor allem aber ist uns gelungen, die Inhalte barrierefrei verfügbar zu machen. Das Portal einfach-teilhaben.de wurde vom Sehbehinderten-Projekt BIK – barrierefrei informieren und kommunizieren getestet und hat 98,5 von 100 möglichen Punkten geholt – übrigens mehr, als ich in meiner gesamten Schulzeit je in einer Matheklausur erreicht hab. Getestet wurden auch zwei Seiten mit Inhalten aus der Arzt-Auskunft: Die beiden Detailseiten erhielten 100 bzw. 99,5 Punkte.

In solchen Momenten bin ich natürlich stolz, eine Herausforderung gemeistert zu haben. Leider stellt sich mir die nächste Herausforderung im ersten Moment trotzdem wieder als Problem dar.

von Stefan Winter, 14. April 2010