Barrierefreie Spiele – Und wie sieht es zu Hause mit der Inklusion aus?

4280 Athleten aus 166 Nationen nehmen an den diesjährigen Paralympics in London teil. Drei Tage vor Ende der Spiele haben deutsche Sportler bereits 46 Medaillen gewonnen, darunter 13 goldene. Noch nie waren die Paralympics in der Öffentlichkeit so präsent wie in diesem Jahr. Faszinierend finde ich vor allem, dass Inklusion, die selbstverständliche Teilhabe aller Menschen am gesellschaftlichen Leben, hier kein Problem darstellt: Sowohl das Olympic Village mit seinen Wettkampfstätten als auch das Paralympische Dorf sind durchweg barrierefrei eingerichtet. Das sind in diesem Fall nicht nur Schlafstätten – das Dorf bietet ein Kino, einen Supermarkt, eine Postfiliale, ebenso wie ein Krankenhaus und vieles mehr. Behinderte und nicht-behinderte Athleten trainieren ganz selbstverständlich nebeneinander.

Und wie sieht es außerhalb dieser Olympischen Blase aus? In Deutschland ist das Thema so aktuell wie noch nie: Inklusion in Schulen, Inklusion in der Arbeitswelt und Inklusion in der medizinischen Versorgung. In allen diesen Bereichen liegt noch einiges im Argen. Zum Beispiel die ambulante medizinische Versorgung: Nur etwa ein Drittel aller deutschen Arztpraxen bietet wenigstens minimale Vorkehrungen der Barrierefreiheit an, zum Beispiel einen stufenfreien Zugang oder Orientierungshilfen für Sehbehinderte. Um Menschen mit Behinderungen volle gesellschaftliche Teilhabe zu ermöglichen und das Bewusstsein der Ärzte für dieses Thema zu schärfen, erfragt die Stiftung Gesundheit für das Projekt „Barrierefreie Praxis“ regelmäßig bei niedergelassenen Ärzten, Zahnärzten und Psychologischen Psychotherapeuten, welche Kriterien der Barrierefreiheit sie in ihrer Praxis erfüllen. Die Ergebnisse fließen in die Arzt-Auskunft ein – hier können alle Menschen einen Arzt suchen und genau angeben, welche Vorkehrungen der Barrierefreiheit sie benötigen.

Vielleicht sind darunter auch einige Teilnehmer der Paralympics. Denn am 9. September enden die Spiele und unsere Helden kehren zurück nach Deutschland. Es wäre doch schön, wenn Sie sich immer so frei bewegen könnten, wie bei den Spielen – im Alltag und beim Arztbesuch.

Bildnachweis: Katja Fuhr-Boßdorf – pxelio.de

Bildnachweis: Katja Fuhr-Boßdorf – pxelio.de

von Nina Rodenberg, 6. September 2012