Barrierefreie Praxen – wo denn?

Heute ist Internationaler Tag der Menschen mit Behinderung. Erstmals von den Vereinten Nationen im Jahr 1993 ausgerufen, soll er die Öffentlichkeit auf die Probleme von Menschen mit Behinderung aufmerksam machen. Dazu gehört auch der immer noch mangelnde Zugang für Menschen mit Behinderungen zu ambulanter medizinischer Versorgung. Die Probleme beginnen oft schon vor der Praxistür: Für ältere Menschen mit Rollator bilden die Stufen hinauf zur Eingangstür ein Hindernis, für Menschen mit einer Sehbehinderung ist es das fehlende Klingelschild in Blindenschrift. Verbessert sich die Lage in den Ballungsgebieten langsam, sind in ländlichen Gegenden barrierefreie Arztpraxen auch heute häufig noch Mangelware.

Nur jeder Siebte in Deutschland erreicht einen Hausarzt mit barrierefreier Praxis in einem Umkreis von 20 Kilometern. Das hat eine Analyse der Stiftung Gesundheit in Zusammenarbeit mit der Geomarketing-Firma Lutum + Tappert ergeben. Klar, dass das Angebot in Großstädten größer ist als in den ländlichen Regionen. Während Patienten in Berlin, Hamburg oder München 26 oder mehr Hausärzte finden, haben sie beispielsweise in den neuen Bundesländern weniger Glück: Hier sind es oft keine oder nur ein bis zwei Hausärzte, deren Praxis für Menschen mit Behinderung zugänglich ist.

Um die passenden Arztpraxen auch zu finden, sind in der Arzt-Auskunft Kriterien der Barrierefreiheit aufgeführt. Dazu zählen etwa Schwerbehindertenparkplätze, höhenverstellbare Untersuchungsmöbel und Orientierungshilfen für Menschen mit Sehbehinderungen. Die Arzt-Auskunft zeigt Patienten dann die nächstgelegene Praxis mit den passenden Vorkehrungen an. Mit dem Projekt „Barrierefreie Praxis“ will die Stiftung Gesundheit so Menschen mit Behinderungen helfen, den passenden Arzt zu finden. Wir wollen damit aber auch Ärzte und andere Akteure im Gesundheitswesen für das Thema sensibilisieren. Hoffen wir, dass der heutige Internationale Tag der Menschen mit Behinderung viele Menschen aufrüttelt. Bei insgesamt rund 7,3 Millionen Schwerbehinderten in Deutschland ist es an der Zeit.

Übrigens: Bereits 2008 ist die UN-Behindertenrechtskonvention in Kraft getreten. Sie fordert den vollen Zugang zur „physischen, sozialen, wirtschaftlichen und kulturellen Umwelt, zu Gesundheit und Bildung sowie zur Information und Kommunikation“ (Quelle: UN-Behindertenrechtskonvention). In Deutschland ist der Nationale Aktionsplan ein erster Schritt zur Umsetzung der Konvention. Auch er sieht unter anderem den barrierefreien Zugang zur medizinischen Versorgung vor.

Bildnachweis: Lutum+Tappert

Bildnachweis: Lutum+Tappert

von Nina Rodenberg, 3. Dezember 2012