Die Erhebung der Medizinischen Reputation der Ärzte in allen Regionen Deutschlands

Eine Zusammenarbeit von Stiftung Gesundheit und FOCUS.

Stiftung Gesundheit  Stiftung Gesundheit in Kooperation mit FOCUS

 

Patientenzufriedenheit und die Bewertung von Ärzten sind individuell

Patienten haben ganz individuelle Ansprüche an ihren Arztbesuch. Für Manche steht ein freundlicher Kontakt zum Arzt und seinem Team im Vordergrund, die zweifellos auch bedeutsame Kommunikationsfähigkeit. Für andere ist eine kurze Wartezeit eher ausschlaggebend. Hier können Angaben anderer Patienten eine erste Orientierung liefern, wie beispielsweise im Empfehlungspool der Arzt-Auskunft und ihrer Partner.

 

Die medizinische Kompetenz ist in jedem Fall für den Patienten wichtig

Die medizinische Kompetenz hingegen ist für alle ein wichtiges, wenn nicht sogar das ausschlaggebende Kriterium bei der Arzt- , beziehungsweise Zahnarztwahl, schließlich erwarten Patienten professionelle, kompetente Hilfe und Beratung. Unstrittig ist unterdessen, dass eine Beurteilung der medizinisch-fachlichen Kompetenz der Ärzte durch Patienten praktisch nicht möglich ist.

 

Nur Ärzte können medizinische Kompetenz erfassen: die Medizinische Reputation

Im Rahmen der Studie „Ärzte im Zukunftsmarkt Gesundheit“ ermittelte die Stiftung Gesundheit bereits im Jahr 2007 die mehrheitliche Überzeugung innerhalb der Ärzteschaft, dass die medizinische Kompetenz einzig die ärztlichen Kollegen zuverlässig einschätzen können. Die Stiftung Gesundheit entwickelte daraufhin die Methoden zur Erhebung der Medizinischen Reputation der Ärzte, die als eine ihrer tragenden Säulen auf der zyklischen Erhebung der wechselseitigen Einschätzung der Fachkollegen aufbaut.


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Das System der Medizinischen Reputation wurde auf wissenschaftlicher Basis in Zusammenarbeit mit Prof. Dr. med. Dr. rer. pol. Konrad Obermann vom Mannheimer Institut für Public Health (MIPH) entwickelt und besteht aus vier Faktoren. Das bedeutendste Kriterium ist dabei der Peergroup-Score – die Kompetenzzuweisung durch die ärztlichen Kollegen.

Der Peergroup-Score wird zyklisch innerhalb der Ärzteschaft in ganz Deutschland erhoben. Von Stiftung Gesundheit befragt, geben die Ärzte an, zu welchen ihrer Kollegen sie selbst im Bedarfsfall gehen würden und welche Kollegen sie in der interdisziplinären Zusammenarbeit von ihrer Kompetenz überzeugt haben. Dabei können die befragten Ärzte bis zu zehn Mediziner benennen.

 

Die Befragung

Die befragten Ärzte erhalten eine E-Mail-Einladung, sich an der Erhebung des Peergroup-Scores zu beteiligen. Diese E-Mail enthält einen spezifizierten Link, der den Nutzer direkt zum Auswahlformular der Arzt-Auskunft leitet. Innerhalb definierter Frist kann dort der jeweilige Mediziner die Kollegen seines Faches, die er gemäß dieser Erhebung nominieren möchte, mittels eines Such-Systems auswählen. Während des Befragungszeitraums ist eine Unterbrechung und spätere Fortsetzung sowie die Korrektur einer Auswahl jederzeit möglich. Durch das Betätigen des Buttons "Auswahl beenden und absenden" werden die Nennungen an die Stiftung Gesundheit übermittelt. Eine Änderung ist dann nicht mehr möglich.

Für jede erhaltene Nennung erhält der jeweilige Arzt einen Score-Punkt. Die so erworbenen Score-Punkte werden mit den Punkten der unten genannten weiteren Faktoren summiert.

 

Methodische Sicherheitsaspekte

In jedem Abfragezyklus wird in vielen Etappen nur eine bestimmte Anzahl von Ärzten parallel zur Umfrage eingeladen. Eine Teilnahme ist einzig über den in der Einladung versandten Link möglich. Dies verhindert – ebenso wie die Beschränkung des Auswahlzeitraums sowie weitere technische Validierungsmaßnahmen – Absprachen und Manipulationsversuche. Auch eine Eigen- oder Mehrfachnennung ist technisch ausgeschlossen. Die medizinische Kompetenz ergibt sich aus der Summe der Score-Punkte.

 

Vorhalten der Informationen

Jeder zur Befragung eingeladene Arzt erhält einen spezifischen, verschlüsselten Link für die Teilnahme an der Peergroup-Score-Ermittlung. Während des Befragungszeitraums hält das System die unter diesem Link getätigten Eingaben vor. Dieses temporäre Vorhalten ermöglicht:

  • Unterbrechung und spätere Fortsetzung der Auswahl
  • Änderungen und Korrekturen der Auswahl
  • Beschränkung des Befragungszeitraums

Mit Übermittlung der ausgewählten Ärzte durch Betätigung des Buttons "Auswahl beenden und absenden" oder mit Ablauf des Befragungszeitraums wird die Zuordnung des Links zur getätigten Auswahl gelöscht und der Link für weitere Selektionen gesperrt. Ein Rückschluss, welcher Arzt welche Kollegen benannt hat, ist somit ausgeschlossen.

Weitere Informationen zum Datenschutz finden Sie hier!


Als eine weitere, gewichtete Komponente der Medizinischen Reputation dient der Aspekt einer leitenden Funktion in einer medizinisch-wissenschaftlichen Fachgesellschaft im jeweils aktuellen Befragungszyklus. Voraussetzung ist die Mitgliedschaft der Gesellschaft im AMWF (Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften e.V.)


Ergänzend erfolgt eine Analyse von fachlicher Vortragstätigkeit: Für Vorträge auf wissenschaftlichen Symposien und Fachtagungen in Deutschland innerhalb des Befragungszyklus kann ein weiterer gewichteter Score-Punkt erlangt werden. Diese Angaben werden von der Stiftung Gesundheit in Kooperation mit Fachgesellschaften und anderen Veranstaltern ermittelt.


Das Medizinrechts-Beratungsnetz des Medizinrechtsanwälte e.V. bietet Patienten und Ärzten die Möglichkeit, ein kostenloses juristisches Orientierungsgespräch bei einem der Vertrauensanwälte des Vereins wahrzunehmen. Die Mitglieder des Vereins und die Vertrauensanwälte geben untereinander Empfehlungen zu Ärzten, die – auch fachspezifisch – gutachterlich tätig sind. Diese fachliche Empfehlung findet ergänzend Eingang in die Entwicklung der jeweiligen Medizinischen Reputation der Ärzte.


Zur Methodik der Erhebung und Darstellung:

Die Erhebung der Medizinischen Reputation ist ein elaboriertes polyfaktorielles System, das die Gesamtheit der in Deutschland an Patienten tätigen Ärzteschaft berücksichtigt, in allen Regionen und allen Fachdisziplinen. Durch die Integration eines Sets differenzierter Komponenten samt deren multipler Überprüfung auf möglichen Bias, Reliabilität und Validität entsteht eine Systematik, die in hohem Maße belastbar ist, möglichen Bias minimiert, robust gegen Manipulationsversuche und zugleich gut operationalisierbar ist. Trotz dieser breiten Fundierung der Methode erfolgen weitere Schritte, die die Reliabilität und Differenzierung der Aussagen stärkt: Kandidaten aus den Spitzengruppen der einzelnen Fachgebiete, aber auch Ärzte, die nicht zur aktuellen Spitzengruppe gehören, sowie wesentliche Funktionsträger des Gesundheitswesens und der Selbsthilfegruppen werden mittels Telefoninterviews befragt. Die Fragen-Sets der Interviews ihrerseits wurden mit sozialwissenschaftlichem Instrumentarium entwickelt.

Die Ermittlung der Medizinischen Reputation wird von der Stiftung Gesundheit jährlich durchgeführt. Die Score-Punkte der einzelnen Faktoren werden summiert und bilden so den aktuellen Grad der Medizinischen Reputation der deutschen Ärztelandschaft ab. Berücksichtigung finden auch weiterhin die Score-Punkte der vorangegangen vier Jahre, welche in degressiver Gewichtung eingerechnet werden.

Die Medizinische Reputation ist eine der vier Komponenten des Arztprofils der Arzt-Auskunft der Stiftung Gesundheit. In der Arzt-Auskunft werden die Ärzte mit den höchsten Scores mit Gold, Silber oder Bronze ausgezeichnet. Die Wahl auf diesen Darstellungsmodus basiert auf einer Sequenz von User-Befragungen, wie die unterschiedlichen, parallel entwickelten Modi der Darbietung und Usability tatsächlich wahrgenommen wurden. Die meisten der explorierten Darbietungs-Muster führten bei einer gewissen Anzahl von Usern zu der irrigen Vermutung, dass ein numerisch niedriger Grad bei der Medizinischen Reputation in irgendeiner Weise nicht gut oder unzureichend sei. Dies ist aber nicht zutreffend, da jeder Grad der Medizinischen Reputation bereits ein außerordentlich positives Merkmal ist und das Herausragen aus der Mehrheit der Kollegen anzeigt.

Notwendige Reduktion im Sinne der Benutzer

Bei der sehr traditionellen Bezeichnung nach Medaillen unterdessen war das intuitive Verständnis durchweg bei allen Probanden zutreffend so, dass es sich bei allen diesen Abstufungen nach Edelmetallen immer um die Auszeichnung der Spitzengruppe handelt. Doch auch bei der Binnendifferenzierung innerhalb einer Spitzengruppe nach Gold, Silber und Bronze bleibt die kommunikative Problematik bestehen, dass in einer ohnehin hochkomplexen Usability-Szenerie – mit der vielgestaltigen Auswahl mit -zig Fachgebieten, über hundert Teilgebieten und tausend fein differenzierten Diagnose-/Therapieschwerpunkten und dazu geografischen Aspekten, einer Vielzahl von Servicekomponenten bis hin zu Graden der Barrierefreiheit und mehr – jede vermeidbare Komplexität so weit wie irgend möglich zu reduzieren ist. Deshalb ist gleichermaßen auch eine Reduktion der Differenzierungstiefe auf den Faktor „Top-Mediziner“ im Sinne der User.

Die Entwicklung der wissenschaftlichen Methodik fußt auf einem Forschungsprojekt von Stiftung Gesundheit in Zusammenarbeit mit der Universität Kiel. Dort wurde der per Fragebogen erhobene Patienten-Zufriedenheits-Index (PZI) entwickelt. Weitere Forschungsprojekte, etwa zum Stand der Entwicklung und Operationalisierung von Patiententypologien mit der Universität Hamburg, flossen in die Entstehungsgeschichte ein.

Auf der Basis der Informationsgrundlage der Arzt-Auskunft hat die Stiftung Gesundheit in Zusammenarbeit mit der ggma – Gesellschaft für Gesundheitsmarktanalyse mbH die Signifikanz, Validität und Reliabilität von numerisch fassbaren Indikatoren analysiert. Dazu gehört zum Beispiel der Aspekt des Qualitätsmanagement-Systems, der schieren Implementierung oder Zertifizierung und ein breites Set an Komponenten der (nicht-medizinischen) Patientenservices.

Zahlreiche Kooperationspartner aus der Wissenschaft

Eine Vorstudie zur Evaluation der Validität und Reliabilität von Indikatoren der Arztbewertung wurde beim Leibniz-Institut für Sozialwissenschaften, Mannheim, beauftragt.

Die Entwicklung der Methodik speziell der Erhebung der Medizinischen Reputation verdanken wir in den Grundzügen und der operativen Ausarbeitung insbesondere Prof. Dr. med. Dr. rer. pol. Konrad Obermann (Mannheimer Institut für Public Health, MIPH). Der Mediziner und Ökonom verfügt über langjährige Erfahrungen sowohl in der nationalen wie auch der internationalen Gesundheitsökonomie, u. a. durch seine Tätigkeiten als Berater bei der Boston Consulting Group (BSG), Hamburg und als ehemaliger Leiter der gesundheitsökonomischen Abteilung des Instituts für Gesundheits- und Sozialforschung (IGES), Berlin. Prof. Dr. Dr. Obermann ist zudem als Wissenschaftlicher Leiter für die ggma – Gesellschaft für Gesundheitsmarkanalyse mbH, Hamburg tätig, welche auf Befragungen und Studien innerhalb der Ärzteschaft spezialisiert ist.

Neben der Befragung der Ärzte in der Fläche werden Stakeholder interviewt; neben Vertretern der Fach- und Hausärzteschaft auch weitere Fachgruppen wie der Pflege, aber auch Patientenvertreter und Wissenschaftler. Anfang 2016 entwickelt das Picker Institut gGmbH, Hamburg, den zugrundeliegenden Fragebogen weiter, u.a. durch moderierte Fokusgruppen-Diskussionen und deren Analyse.

In der Entwicklung der redaktionellen Komponenten der Erhebung der Medizinischen Reputation, wie der Identifikation und Befragung unterschiedlicher Stakeholder und auch der Aufbereitung der Usability und User-Kommunikation in der Darbietung der Ergebnisse haben Stiftung Gesundheit und FOCUS zusammengewirkt.

Auch in der überaus herausfordernden Frage der redaktionellen Darbietung und Usability haben die Kolleginnen und Kollegen der Stiftung Gesundheit, unter Einbeziehung von Analysen von Professor Dr. Uwe Sander, Abteilung Information und Kommunikation der FH Hannover, und die Redaktion von FOCUS durch intensiven Erfahrungsaustausch zusammengearbeitet.

Die Erhebung der Medizinischen Reputation erfolgt in Kooperation mit FOCUS. Die Ergebnisse dieser Erhebung werden auf der FOCUS-GESUNDHEIT Arztsuche (App und Webseite) als Deutschlands beste Ärzte vor Ort veröffentlicht. Dabei handelt es sich um Ärzte in allen Städten, Gemeinden und Regionen, welche die höchste Medizinische Reputation aufweisen.

Im Laufe der Entwicklung des Arztprofils der Stiftung Gesundheit und der Medizinischen Reputation wirkten zahlreiche Universitäts-Institute mit; mehr dazu siehe oben im Abschnitt zum wissenschaftlichen Fundament. Die Fragen der rechtlichen Konformität und des Datenschutzes wurden in dem Entwicklungsprozess kontinuierlich von Juristen des Medizinrechtsanwälte e.V., dem Justitiar der Stiftung und dem Datenschutzbeauftragen begleitet. In die Aspekte von Sicherheit und Datenschutz sind zahlreiche Vorkehrungen eingeflossen, die auch im Betrieb der Arzt-Auskunft wie auch in der Zusammenarbeit mit vielen Lizenzpartnern entwickelt wurden.