Qualitätsmanagement in der ärztlichen Praxis

Qualitätsmanagement (QM) gewinnt auch im ambulanten Sektor der Medizin an Bedeutung. Mit den Instrumenten des Qualitätsmanagements sollen Organisation und Abläufe in der Praxis optimiert und potenzielle Fehlerquellen minimiert werden. Die gängigen QM-Systeme helfen, die Qualität der Strukturen bzw. der Abläufe (Prozesse) zu optimieren. Dabei ist die Güte der medizinischen Ergebnisse bzw. die Ergebnisqualität noch nicht erfasst.

Der Gesetzgeber hat die niedergelassenen Ärzte und Zahnärzte verpflichtet, Qualitätsmanagement in ihren Praxen schrittweise einzuführen und weiterzuentwickeln. Er schreibt aber kein bestimmtes Modell vor.

Folgende QM-Systeme können in der ärztlichen Praxis eingesetzt werden:

Dieses Befähigungssystem bildet weltweit für eine Vielzahl von Organisationen die Basis für Qualitätssicherung und Qualitätsmanagement. Das ISO-Modell ist - branchenunabhängig - geeignet, den Aufbau eines QM-Systems zu strukturieren. Eine Zertifizierung ist möglich. Unter Zertifizierung versteht man ein Verfahren, in dem unparteiische Dritte schriftlich bestätigen, dass Prozesse mit den festgelegten Anforderungen konform sind.

Europäisches Praxisassessment, ein europäisches Gemeinschaftsprojekt (TOPAS Europa, Bertelsmann-Stiftung), welches von dem niederländischen Visitae-Modell abgeleitet wurde. Das Modell ist aufgebaut nach: Befragung, Visitation, Feedback-Bericht und Nachbefragung. Eine Zertifizierung ist möglich.

Modell für Business Excellence der Industriestiftung EFQM (European Foundation for Quality Management) mit Sitz in Brüssel ist ein Bewertungssystem zum umfassenden Qualitätsmanagement. Die Qualitätsanalyse erfolgt durch Selbstbewertung unter Nutzung eines Kriterienrasters, das zwischen Befähiger-Kriterien und Ergebnis-Kriterien unterscheidet.

QEP wurde von der kassenärztlichen Bundesvereinigung entwickelt, die Abkürzung steht für "Qualität und Entwicklung in Praxen". QEP enthält ein Bewertungsverfahren, einmal intern als Selbstbewertung und extern als Fremdbewertung durch Visitoren, die bei Erfüllung der Kernanforderungen zu einem Zertifikat führen.

Die KV Westfalen-Lippe hat speziell für Vertragsarztpraxen ein Qualitätsmanagement-System entwickelt, das sich in der Praxis bewährt hat. Es ist ein Einsteiger-Modell auf der Basis der DIN EN ISO 9001:2000 und der EFQM. Für die Umsetzung in der Praxis ist die Erstellung eines Qualitätsberichtes notwendig, in dem die Praxis sich und ihre Qualitätspolitik darstellt und zehn Kernprozesse aus den Bereichen Patienten (Diagnostik und Therapie), Mitarbeiter und Personalführung sowie Administration beschreibt.

Das KTQ-Modell ist bekannt aus dem Krankenhausbereich. Die KTQ-GmbH (Kooperation für Transparenz und Qualität im Gesundheitswesen) und deren Kooperationspartner haben jetzt auch ein Verfahren für den niedergelassenen Bereich vorgestellt. Es basiert auf einer Kombination von Selbst- und Fremdbewertung.

Z-PMS 2007 - Zahnärztliches Praxis Management System der Zahnärztekammer Westfalen-Lippe. Ein eigenständiges, speziell für Zahnarztpraxen etwickeltes QM-System, welches für die Zahnarztpraxis relevante Elemente der DIN EN ISO 9001:2000 verwendet und sich darüber hinaus an EFQM orientiert. Eine Zertifizierung ist möglich. Neben den genannten Modellen existieren noch weitere, auch internationale Projekte zur QM-Darlegung, wie zum Beispiel die Sonderform DQM.

Z-QMS der Zahnärztekammern Hessen, Niedersachsen, Rheinland-Pfalz, Saarland, Sachsen-Anhalt, Brandenburg und Thüringen ist ein von Zahnärzten für Zahnärzte entwickeltes Qualitätsmanagementsystem, das speziell auf die besonderen Bedürfnisse der ambulanten zahnärztlichen Praxis zugeschnitten ist. Die Grundidee von Z-QMS ist das systematische Zusammenführen von qualitätssichernden Arbeiten und Dokumentations- und Auditierungsmaßnahmen.

Die Diabetes Qualitätsmanagement GmbH hat im Auftrag der Deutschen Diabetes-Gesellschaft für die besonderen Anforderungen von diabetologischen Schwerpunktpraxen und stationären diabetologischen Einrichtungen ein eigenes Qualitätsmanagement-Modell, das Diabetes-Qualitäts-Modell (DQM), entwickelt. Es soll helfen, interne Stärken und Verbesserungspotenziale zu ermitteln. Dazu gehört auch ein jährlicher Qualitätsbericht, in dem die gesteckten Ziele benannt werden, der Weg beschrieben wird, wie man Ziele erreichen will, und auch die erreichten Ergebnisse beschrieben werden.

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