Arztbewertungen: Anforderungen und Kriterien

Krankenkassen dürfen zwar die Noten von Pflegeeinrichtungen veröffentlichen, nicht aber Arztbewertungen. Denn dafür gibt es keine gesetzliche Grundlage. Das Grundrecht auf Meinungs- und Pressefreiheit gilt nur für natürliche Personen, nicht für Versicherungsunternehmen. Und auch das Sozialgesetzbuch (SGB V, § 284) erlaubt Krankenkassen nur sehr bedingt, Daten von Leistungserbringern und Versicherten zu erheben und zu speichern. Arztbewertungen sind aber Daten von Leistungserbringern.

Es gelten für Krankenversicherungen also hohe juristische Anforderungen. Darüber hinaus sollten alle Betreiber auch wissenschaftliche und ethische Kriterien einhalten.

Folgende Anforderungen an Arztbewertungen bestehen:

Datenschutz: Ärzte müssen über Bewertungen informiert werden.

Betreiber von Arztbewertungsportalen müssen nach Ansicht der Aufsichtsbehörde für Datenschutz und Wirtschaft Ärzte schriftlich informieren, wenn diese bewertet wurden. Das Ärztliche Zentrum für Qualität (ÄZQ) fordert darüber hinaus, Ärzte bereits zu informieren, bevor die Bewertungen online gestellt werden. Das ist bei Portalen, bei denen Bewertungen direkt nach dem Absenden der User ungeprüft online gehen, natürlich nicht möglich. Die Stiftung Gesundheit stellt Patientenbewertungen in der Arzt-Auskunft erst nach redaktioneller Prüfung online. Parallel erhalten die Praxen dazu ein Informations-Schreiben.

Freitext-Kommentare: Sie bieten zwar einen hohen Informationsgehalt, sind aber nur mit redaktioneller Kontrolle zulässig

Im Freitext stehen die Motive des Verfassers. Das sind nützliche Informationen für Patienten und Versicherte. Doch Freitextfelder haben eine Kehrseite: Sie geben die Möglichkeit zu Schmähkritik. Jura-Professor Dr. Mario Martini sagte in der November 2010-Ausgabe des Berliner Ärzteblatts: „Ohne redaktionelle Kontrolle sind Freitextfelder unzulässig.“ Für die Arzt-Auskunft der Stiftung Gesundheit lesen geschulte Mitarbeiter alle Kommentare, bevor sie diese online stellen, und filtern etwa unsachliche, unqualifizierte und beledigende Bewertungen aus.

Schutz vor Missbrauch: Einzelne User sollen nicht viele Bewertungen zu einem Arzt abgeben können.

Seit Arztbewertungsportale online sind, gibt es Warnungen vor Missbrauch. Missliebige Kollegen könnten viele Bewertungen hintereinander abgeben, um einen Arzt zu diskreditieren. Die verschiedenen Bewertungsportale verfolgen unterschiedliche Ansätze, um dies zu verhindern, etwa Anmeldung per E-Mail, eine Transaktionsnummer (TAN) an das Handy, Kontrolle der IP-Adresse eines Computers oder Log-in mit den Versichertendaten.

Quantität: Einzelne Arztbewertungen ergeben ein verzerrtes Bild. Erst mehrere Bewertungen pro Arzt sind hilfreich für Patienten.

Die meisten Bewertungsportale haben bislang nicht genug Bewertungen, um Patienten hilfreiche Informationen zu liefern. Die Stiftung Gesundheit hat deshalb den Empfehlungspool initiiert, bei dem die teilnehmenden Portale ihre Arztbewertungen gemeinsam nutzen. Dies ist hilfreich für Patienten: Durch eine höhere Anzahl von Arztbewertungen können sie sich ein besseres Bild machen.

Validität: Arztbewertungsportale sollen nur solche Kriterien abfragen, die Patienten auch bewerten können.

Patienten können die Qualität ärztlicher Leistung nicht bewerten – das meint die Mehrheit der Ärzte laut der Studie „Ärzte im Zukunftsmarkt Gesundheit 2007“ . Tatsache ist: Viele Faktoren, etwa der Lebensstil oder die Compliance, beeinflussen den Behandlungserfolg. Patienten können jedoch darlegen, wie zufrieden sie mit der Organisation, den Ärzten, ihren Mitarbeitern und den Praxen insgesamt sind. Mitte 2010 hat das GESIS – Leibniz-Institut für Sozialwissenschaften, Mannheim, einen kognitiven Pretest zum Fragebogen der Arzt-Auskunft durchgeführt. Die Testpersonen empfanden die Fragen und Kategorien als leicht verständlich und eindeutig.

Die Qualität ärztlicher Leistungen können nur Kollegen bewerten. Empfehlungen von Ärzten zu Ärzten können Patienten-Bewertungen sinnvoll ergänzen.

Zu wem geht ein Arzt, wenn er krank ist? Diese Frage stellt die Stiftung Gesundheit kontinuierlich den Ärzten in Deutschland. Daraus ergibt sich eine Landschaft der medizinischen Reputation, des fachlichen Rufs. Über die Arzt-Auskunft und Partner-Seiten können Nutzer die Informationen einsehen. Die medizinische Reputation ist Teil des Arztprofils.

Zusätzliche Anforderungen an Arztbewertungen speziell für Krankenversicherer:

Krankenkassen dürfen ein Arztbewertungsportal nicht selbst betreiben. Sie brauchen einen Kooperationspartner.

Krankenkassen dürfen ein Arztbewertungsportal nicht selbst betreiben, weil ihnen dafür die juristische Grundlage fehlt. Sie brauchen einen Kooperationspartner. Jura-Professor Dr. Mario Martini von der Deutschen Hochschule für Verwaltungswissenschaften, Speyer, schreibt: „Denkbar ist, dass ein privater Betreiber das Portal in eigener Regie gestaltet und seine Dienste der Krankenversicherung andient. Dann handelt es sich nicht um ein öffentlich-rechtliches Portal.“ Die Stiftung Gesundheit, als Kooperationspartner, bietet die nötige Rechtssicherheit.

Wettbewerbsrecht: Arztbewertungsportale greifen in den Wettbewerb innerhalb der Ärzteschaft ein.

Bei Eingriffen in den Wettbewerb gelten für öffentlich-rechtliche Institutionen hohe Auflagen: So dürfen sie etwa nicht mit privatwirtschaftlichen Anbietern zusammenarbeiten. Die Stiftung Gesundheit ist eine gemeinnützige Stiftung und ist somit nicht als privatwirtschaftlicher Anbieter tätig.

Barrierefreies Internet: Das Arztbewertungsportal muss barrierefrei verfügbar sein.

Die gesamte öffentlichen Verwaltung – auch Krankenkassen – sind durch das Gesetz zur Gleichstellung behinderter Menschen dazu verpflichtet, ihre Informationen im Internet barrierefrei verfügbar zu machen. Als Partner des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales liefert die Stiftung Gesundheit ihre Informationen bereits barrierefrei, so dass Krankenkassen sie problemlos nutzen können.

Adressqualität: Nur mit aktuellen Adressen finden Ärzte und Versicherte/Patienten auch wirklich zusammen.

Gerade Krankenversicherungen sollten darauf achten, dass sie im Arztbewertungsportal Arztadressen von hoher qualitativer Güte haben, damit ihre Versicherten die jeweiligen Ärzte auch tatsächlich erreichen können. In der Adressredaktion der Arzt-Auskunft arbeiten täglich 20 Mitarbeiter der Stiftung Gesundheit an der Aktualisierung der Arztadressen.

Stiftungsbrief Sonderausgabe Arztbewertungen Achim Kolanoski, Vorstandsvorsitzender der Deutschen BKK:
"Wozu all die Aufregung über den AOK-Arztnavigator? Wir haben das bereits ein Jahr zuvor in die Tat umgesetzt."

Alles über die Anforderungen an Arztbewertungen erfahren Sie in der Sonderausgabe "Arztbewertungen" des Stiftungsbriefs der Stiftung Gesundheit.

 

Die Stiftung Gesundheit bietet ihren Partnern Rechtssicherheit bei der Einbindung der Arzt-Auskunft in ihre Internetauftritte. So erfüllen sie ohne eigenen Aufwand die Anforderungen an Arztbewertungen. Bei der individuellen Einbindung der Arzt-Auskunft helfen wir Ihnen gerne – sprechen Sie uns an:

Birgit Kedrowitsch, Leitung Kooperationen der Arzt-AuskunftBirgit Kedrowitsch
Leitung Kooperationen
kedrowitsch@stiftung-gesundheit.de
Tel.: 040 / 80 90 87 - 0
Stefanie Woerns, Leitung Projektmanagement der Arzt-AuskunftStefanie Woerns
Leitung Projektmanagement
woerns@stiftung-gesundheit.de
Tel.: 040 / 80 90 87 - 0